Pakistanis müssen Indien verlassen

von Redaktion

Nach Anschlag: Kaschmir-Konflikt flammt auf – Experte: „Sehr ernstes Risiko für eine neue Krise“

Indische Sicherheitsbeamte stehen nach dem tödlichen Anschlag im indisch kontrollierten Kaschmir Wache. © dpa

Neu-Delhi/Islamabad – Die Menschen in der nördlichen Himalaya-Region zwischen Indien und Pakistan sitzen auf einem Pulverfass. Seit Jahrzehnten schwelt zwischen den zwei Staaten der Kaschmir-Konflikt. Die zwei Atommächte kontrollieren jeweils einen Teil der Bergregion, beanspruchen jedoch das gesamte Gebiet für sich. Nach einem Angriff im indisch kontrollierten Teil von Kaschmir am Dienstag droht der Konflikt erneut zu eskalieren. Dabei sind 26 Touristen – darunter 25 Inder – erschossen worden.

Nun weist Indien pakistanische Staatsbürger aus. Bereits bis zum 29. April müssen alle Pakistanis das Land verlassen. Wie viele das genau sind, ist unklar. Weiter verkündete das Außenministerium, den wichtigsten Grenzübergang zu schließen und das seit 1960 bestehende Abkommen zur Verteilung von Wasserressourcen auszusetzen.

Pakistan reagierte darauf mit einer scharfen Drohung: Jeder Versuch, den Wasserlauf zu stoppen oder umzuleiten, werde als Kriegshandlung betrachtet „und mit dem gesamten Spektrum der nationalen Macht beantwortet werden“, teilte das Büro des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif mit. Pakistan hat zudem indische Diplomaten ausgewiesen. Außerdem sollen sämtliche Visa für indische Staatsbürger mit Ausnahme von Sikh-Pilgern annulliert, die Grenze geschlossen und der Handel ausgesetzt werden.

Kaschmir ist seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans 1947 Mittelpunkt des Konflikts. Der erste Krieg um die Region endete 1949 mit einem Waffenstillstand. Seitdem ist Kaschmir geteilt: Sowohl Indien und Pakistan als auch China beanspruchen Teile der Region für sich. Das Gebiet, in dem der Anschlag verübt wurde, ist unter indischer Kontrolle.

Im mehrheitlich von Muslimen bewohnten Kaschmir sorgen Aufständische seit Jahren für Unruhen. Sie fordern die Unabhängigkeit oder einen Anschluss an Pakistan. Indien hat dort eine halbe Million Soldaten stationiert und geht gegen Rebellengruppen vor. Dabei wurden tausende Zivilisten, Soldaten und Rebellen getötet.

Der Südasien-Experte Michael Kugelman warnte nun, dass der Angriff vom Dienstag ein „sehr ernstes Risiko für eine neue Krise“ darstelle. Er sei „wahrscheinlich das schwerste Risiko seit dem kurzen militärischen Konflikt, der sich 2019 ereignete“. Die Gruppierung „The Resistance Front“ (TRF) hat den Anschlag mittlerweile für sich reklamiert. Dabei handelt es sich um eine Splittergruppe der verbotenen islamistischen Terrororganisation Lashkar-e-Taiba (LeT), die unter anderem für eine Anschlagsserie in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai im November 2008 verantwortlich gemacht wird.

Artikel 8 von 11