Die neue Stimme von Merz

von Redaktion

Gesprächspartner der Mächtigen: Stefan Kornelius mit Angela Merkel. © imago

München – Es ist einer der schwierigsten Posten, den der Berliner Politikbetrieb zu vergeben hat: Regierungssprecher. Oder doch besser: Regierungsschweiger? Die Jobbeschreibung impliziert eigentlich, dass man in diesem Amt viel zu sagen hätte. Man soll ja erklären, was die Regierung alles tut. Und warum. Doch um dies zu können, muss man möglichst nahe an den Regierenden – sprich: am Bundeskanzler – dran sein. Und hier verkehrt sich plötzlich das Berufsbild: Denn je näher man dem Kanzler kommt, desto wichtiger wird die genau gegenteilige Tugend: die Verschwiegenheit. Für Journalisten, die die Seiten wechseln, ist dies oft die größte Herausforderung: Endlich weiß man genau, was hinter allen verschlossenen Türen passiert. Nur darf man es nun nicht mehr seinen Lesern oder Zuschauern in allen Details mitteilen.

Stefan Kornelius, zuletzt Politikchef der „SZ“, lässt sich nun auf dieses Abenteuer ein. Wie schon kurz berichtet, wird er neuer Regierungssprecher, die Stimme von Friedrich Merz. Die Personalie zeigt, dass der neue Kanzler die Außenpolitik besonders wichtig nimmt. Denn der Münchner Journalist war 21 Jahre lang Chef der Außenpolitik, während der Präsidentschaft von Bill Clinton auch Korrespondent in Washington. Der 59-Jährige ist zudem Mitglied der für die deutsch-amerikanischen Beziehungen aktiven Atlantik-Brücke sowie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einem Netzwerkund einer Denkfabrik für Außenpolitik. Er gehört auch dem Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik an. 2013 schrieb er auch eine außenpolitische Biografie – „Angela Merkel: Die Kanzlerin und ihre Welt“. Angesichts des Krieges in der Ukraine und der geplanten Aufrüstung spielte bei Merz‘ Entscheidung sicher auch dieses Spezialgebiet des Münchners eine Rolle.

Stellvertretender Regierungssprecher wird Sebastian Hille, seit vielen Jahren ein enger Vertrauter von Alexander Dobrindt. Für den Peißenberger sprach Hille schon im Verkehrsministerium, zuletzt war er Leiter der Kommunikation der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Den zweiten Vize-Posten wird die SPD nominieren, aber wohl erst, wenn die SPD-Minister feststehen.

Schon Merkel hatte auf einen Journalisten aus München als Regierungssprecher gesetzt: Ulrich Wilhelm, Absolvent der Journalistenschule und Sprecher von Edmund Stoiber, verkaufte von 2005 bis 2010 Merkels Politik, ehe er Intendant des BR wurde. Danach berief Merkel den ZDF-Heute-Journal-Moderator Steffen Seibert zum Sprecher. Seibert, der Merkels Politik von 2010 bis zum Regierungswechsel 2021 nach außen vertrat, war bislang der am längsten amtierende Regierungssprecher einer Bundesregierung.
kr/mik

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