Bereit fürs Konklave: Feuerwehrleute platzieren den Schornstein auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle. © Borgia/dpa
Rom – Mehr Abschottung geht kaum: Die Kardinäle sollen von der Welt und sämtlichen Kommunikationsmöglichkeiten abgeschlossen den Nachfolger von Papst Franziskus wählen. Untergebracht sind die Kardinäle im Vatikan-Gästehaus Santa Marta, wo der verstorbene Papst die vergangenen zwölf Jahre im nun versiegelten Apartment Nummer 201 im zweiten Stock lebte.
Das „Domus Sanctae Marthae“ verfügt über 105 Miniapartments und 26 Einzelzimmer. Zieht man die Papst-Suite ab, stehen 130 Zimmer für 133 Kardinäle zur Verfügung. Stockbetten oder Doppelzimmer gibt es im Vatikan nicht. Wohin also mit den übrigen drei Prälaten? Im Vatikan macht man sich derzeit auch um derart praktische Fragen Gedanken. Am Mittwoch verließen die letzten auswärtigen Gäste Santa Marta, das Gästehaus wurde geräumt. Wie es heißt, sollen die überschüssigen Papstwähler in einem neben Santa Marta befindlichen alten Gebäudekomplex untergebracht werden. Die Plätze werden ausgelost.
Ursprünglich sind, weil zum Zeitpunkt der Sedisvakanz noch nicht 80 Jahre alt, 135 Kardinäle im Konklave wahlberechtigt. Allerdings gibt es zwei Absagen aus gesundheitlichen Gründen. Kardinal Antonio Cañizares Llovera aus Valencia hat sich abgemeldet, ebenso wie John Njue aus Nairobi. Zunächst wollte auch Vinko Puljic aus Sarajevo wegen medizinischer Probleme nicht nach Rom kommen, er hat es sich nun aber anders überlegt. Zwei Wahlgänge am Tag sind in der Sistina geplant, für Puljic ist das zu anstrengend. Deshalb soll ein dreiköpfiges Kardinalskomitee bei jedem Wahlgang den Stimmzettel des Bosniaken in Santa Marta abholen und in die Sixtinische Kapelle bringen. Das dauert.
Es gibt auch zwei unbequeme Personalien: So nimmt der Peruaner Juan Luis Cipriani Thorne an den Vorgesprächen teil, obwohl die Glaubenskongregation gegen ihn 2019 disziplinarische Maßnahmen verhängt hat. Der emeritierte Erzbischof von Lima wird beschuldigt, in den 80er-Jahren einen Jugendlichen sexuell missbraucht zu haben. Franziskus hatte dem Peruaner deshalb das Tragen der Kardinalsinsignien verboten. Die anderen Kardinäle dulden Ciprianis Präsenz stillschweigend. Immerhin: Ins Konklave zieht der 81-Jährige aus Altersgründen nicht ein. Dass ein Mann wie Cipriani am Vorkonklave teilnehmen darf, zeigt auch, wie schwer sich die katholische Kirche immer noch mit der Missbrauchsthematik tut.
Der Fall des italienischen Kardinals Angelo Becciu hingegen scheint gelöst. Franziskus entzog Becciu 2020 die „Rechte im Zusammenhang mit der Kardinalswürde“ wegen des Vorwurfs der Korruption und Vetternwirtschaft. 2023 wurde Becciu als erster Kardinal überhaupt von einem Vatikangericht verurteilt, der Prälat soll Vatikangelder veruntreut haben. Zunächst bestand der 76-Jährige auf seiner Teilnahme am Konklave, zog aber zurück.
Thema waren in dieser Woche auch die schwierigen Vatikanfinanzen: Die klamme finanzielle Lage des Heiligen Stuhls wurde von Kardinal Reinhard Marx, dem Koordinator des Wirtschaftsrates im Vatikan, geschildert. Laut Vatikan präsentierte Marx „ein aktuelles Bild der bestehenden Herausforderungen und kritischen Punkte“. 2022 betrug das Haushaltsminus des Heiligen Stuhls 78 Millionen Euro, 2023 waren es 83,5 Millionen, 2024 sogar 87 Millionen Euro. „Die wirtschaftliche Lage ist katastrophal“, schrieb die Zeitung „La Repubblica“. Auch dies wird eine Herausforderung für den kommenden Papst.