Prekäre Lage: In Gaza gibt es nicht genug zu essen. © AFP
Gaza – Die Menschen im Gazastreifen sorgen sich vor einer möglichen Ausweitung der israelischen Armeeeinsätze. Viele Bewohner leben in ständiger Angst vor Angriffen. Das berichten Augenzeugen. Sie fürchteten sich vor allem davor, dabei Angehörige zu verlieren.
So auch der vierfache Vater Omer Ubaid. Weil er wolle, dass zumindest ein Teil seiner Familie überlebt, habe er zwei seiner Kinder seinem Bruder übergeben und im Gegenzug zwei Kinder des Bruders in seine Obhut genommen – für den Fall, dass einer von ihnen angegriffen wird, erzählt er der Deutschen Presse-Agentur. „Das bedeutet es, heute in Gaza zu leben. Eltern planen nicht für die Schule oder Geburtstage – wir planen für den Tod und versuchen, das Schicksal auszutricksen, damit zumindest einige unserer Kinder verschont bleiben.“
Eman Taisir aus der Stadt Gaza will dagegen um jeden Preis mit ihren Angehörigen zusammenbleiben. „Wenn wir sterben, ist es besser, gemeinsam zu sterben“, sagt die junge Frau. Das Zusammensein mit ihrer Familie sei das Einzige, das ihr derzeit noch Hoffnung gebe. „Es gibt keinen sicheren Ort – nur den Trost des Zusammenseins.“
Am Freitag kamen bei israelischen Luftangriffen palästinensischen Angaben zufolge wieder mehrere Menschen ums Leben. Unter den Opfern sollen demnach auch Minderjährige sein. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Israels Armee sagte auf Anfrage, dem Bericht nachzugehen.
In Sozialen Medien verbreitete Aufnahmen sollen zeigen, wie Helfer nach dem Angriff in der Nacht unter Trümmern nach Verschütteten suchen und die Leiche eines jungen Mannes in eine Decke hüllen. Die Echtheit der Aufnahmen konnte zunächst nicht verifiziert werden.
Humanitäre Helfer appellieren derweil an die internationale Gemeinschaft, die von Israel im Gazastreifen vor zwei Monaten verhängte Blockade von Hilfsgütern zu durchbrechen. Sie beschreiben verheerende Lebensbedingungen: Hungrige Kinder suchten in Abfallbergen nach Essensresten und Brennmaterial, berichtete die Sprecherin des UN-Nothilfebüros in Gaza-Stadt, Olga Cherevko.
Durch das Verbrennen von Plastik entstehe überall gefährlicher Rauch. Sie sehe in den Straßen unterernährte Kinder. In ihrer Verzweiflung griffen Menschen inzwischen immer öfter die wenigen Lastwagen an, in denen Wasser oder Nahrungsmittel vermutet werden.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnt, dass die Menschen kaum noch überleben könnten. Am IKRK-Feldkrankenhaus gingen Nahrungsmittel und medizinische Produkte zur Neige. Wasserleitungen seien kaputt und Lastwagen zur Abwasserentsorgung zerstört worden.
Israel hat seit zwei Monaten keine Nahrungsmittel, Medikamente oder andere lebenswichtigen Güter in den Gazastreifen gelassen. Es will nach eigenen Angaben die dort herrschende islamistische Hamas unter Druck setzen, damit sie die verbliebenen Geiseln freilässt. Der Gaza-Krieg, ausgelöst vom Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023, dauert seit mehr als eineinhalb Jahren an.