Nach 20 Jahren: Darfur wird erneut zur Hölle

von Redaktion

Die Zivilbevölkerung leidet unter dem Krieg enorm. © AFP

Al-Faschir – Die Angreifer kamen von allen Seiten, auf den Ladeflächen ihrer Pickups waren Maschinengewehre montiert. Das Ziel ihrer Attacke: das Flüchtlingslager Samsam im sudanesischen Bundesstaat Nord-Darfur. In dem Lager, in dem nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 500000 und einer Million Binnenflüchtlinge lebten, brach Panik aus. Denn die Angreifer waren Kämpfer der Miliz RSF, vor der die Menschen hierher geflohen waren. Flüchtlinge wie Mohamed, der seinen vollständigen Namen nicht nennen möchte, erlebten Schreckliches.

„Ältere Menschen, die nicht schnell genug fliehen konnten, verbrannten lebendig in ihren Hütten. Kinder wurden aus Verstecken gezogen und umgebracht“, berichtet Mohamed telefonisch aus Al-Faschir, der Hauptstadt von Nord-Darfur. Die RSF hätte ihre Opfer rassistisch beschimpft und beleidigt. Mitarbeiter einer Hilfsorganisation seien regelrecht hingerichtet worden.

Die Aussagen von Mohamed können nicht unabhängig geprüft werden, doch Beobachter und Hilfsorganisationen vor Ort bestätigen den gewaltsamen Tod der Mitarbeiter der Hilfsorganisation Relief International. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef kamen mindestens 23 Kinder ums Leben. Laut Berichten gab es mindestens 129, womöglich mehrere Hundert Tote.

Seit zwei Jahren herrscht im Sudan ein Bürgerkrieg zwischen der Miliz RSF von Mohamed Hamdan Daglo und den Regierungstruppen des sudanesischen De-Facto-Machthabers Abdel-Fattah al-Burhan. Die Wurzeln der Gewalt in Darfur reichen noch weiter zurück, zum Konflikt arabischer Nomaden und afrikanischer Bauern um Ressourcen wie Wasser und Land.

Vor 20 Jahren überfielen arabische Reitermilizen, die später teils in der RSF aufgingen, die Dörfer der Massalit, Zaghawa oder Fur, afrikanischer Volksgruppen. Tausende Dörfer wurden zerstört, es kam zu massiver sexueller Gewalt und zu Massakern. Der damalige US-Außenminister Colin Powell sprach 2004 von einem Genozid in Darfur.

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) erließ 2010 einen internationalen Haftbefehl gegen den damaligen sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir wegen Menschenrechtsverbrechen in Darfur. Anders als heute erhielt Darfur internationale Aufmerksamkeit, Hollywood-Stars wie George Clooney, Angelina Jolie oder Mia Farrow appellierten öffentlichkeitswirksam: „Save Darfur“. Jetzt könnte sich das alles wiederholen. Aus West-Darfur gab es bereits im Sommer 2023 Berichte über Massaker an der Volksgruppe der dort lebenden Massalit.

Auch UN-Menschenrechtschef Volker Türk zeigte sich tief besorgt. Das Leid der Bevölkerung sei „kaum vorstellbar, noch schwerer zu begreifen und schlichtweg unmöglich zu akzeptieren“.

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