Die Sixtinische Kapelle in Rom: Hier wählen die Kardinäle, abgeschottet von der Außenwelt, den neuen Papst. © epd
■ Woher kommt die Bezeichnung Konklave?
Konklave leitet sich vom Lateinischen „cum clave“ ab, was wörtlich übersetzt „mit Schlüssel“ bedeutet. Die Kardinäle der katholischen Kirche taten sich im Mittelalter teilweise sehr schwer, einen Papst zu wählen. Deshalb wurde entschieden, sie „mit dem Schlüssel“ buchstäblich einzusperren und damit die Beeinflussung von außen zu minimieren. Das erste Mal geschah das 1216 in Perugia, das zweite Mal 1241 in Rom.
■ Welches war das schlimmste Konklave?
Im Jahr 1241 wurden die Kardinäle 50 Tage lang in einer Ruine auf dem Palatins-Hügel eingesperrt, die hygienischen Bedingungen waren äußerst prekär. Ein Kardinal schrieb, dass „durch die Ritzen in der Decke die Exkremente der Wächter tropften, als eine stinkende Jauche“. Kardinal Goffredo di Castiglione ging aus der Wahl als Papst Coelestin IV. hervor. Durch das Konklave war er so geschwächt, dass er bereits 16 Tage später starb.
■ Und das längste?
Das fand 1268 im päpstlichen Palast von Viterbo statt. Das Konklave dauerte 1005 Tage, das sind fast drei Jahre! Zwei Kardinäle starben während dieser Zeit. Die Kardinäle waren damals so zerstritten, dass jahrelang kein Kompromiss möglich war. Um die Wahl des neuen Papstes zu beschleunigen, sollen den Wählern damals sogar die Mahlzeiten reduziert worden sein. Als letztes Mittel wurde entschieden, auch das Dach des Saals, in dem die Kardinäle tagten, abzumontieren.
Wie lange es diesmal dauert, gilt als schwer vorherzusagen, Ausmaße wie in Viterbo werden nicht erwartet. Dass es etwas dauern könnte, liegt daran, dass Papst Franziskus während seiner Amtszeit viele neue Kardinäle aus allen möglichen Ecken der Welt nominiert hat. „Wir brauchen Zeit, um uns kennenzulernen“, hört man.
■ Wie liefen die letzten Papstwahlen?
Papst Franziskus wurde 2013 in nur fünf Wahlgängen gewählt. Abgesehen vom ersten Tag finden im Konklave täglich vier Wahlgänge statt, zwei vormittags und zwei nachmittags, dazwischen gibt es Mittagessen für die Kardinäle. Nach je zwei Wahlgängen werden die Stimmzettel in einem Ofen am Fußende der Sixtinischen Kapelle verbrannt. Benedikt XVI. brauchte 2005 nur vier Wahlgänge, er war großer Favorit auf die Nachfolge von Johannes Paul II. Der wiederum benötigte 1978 acht Wahlgänge. Das schnellste Konklave fand im Jahr 1503 statt. Giuliano della Rovere, der spätere Julius II., wurde in wenigen Stunden zum Papst gewählt.
■ Wie viele Kardinäle?
Papst Paul VI. verfügte 1975, dass die „Höchstzahl der wahlberechtigten Kardinäle 120 nicht übersteigen darf“. Der Grund dafür war die Zahl der Kardinäle im Konklave 1969, es waren 134, also fast so viele wie heute 133. Das macht die Mehrheitsfindung komplizierter. Diesmal liegt die notwendige 2/3-Mehrheit bei 89 Stimmen. Oft wurde die 120er-Regel übertreten. Denn Paul VI. legte auch fest, dass die Papstwähler zum Zeitpunkt des Beginns der Sedisvakanz noch nicht 80 Jahre alt sein dürfen. Damit verändert sich die Zahl der Wahlberechtigten ständig. Franziskus wollte mit seiner Nominierung von 21 neuen Kardinälen Vorsorge treffen. Unter den Kardinälen kursiert der Witz: „Das ist das letzte Chaos, das uns Franziskus hinterlassen hat.“
■ Wer darf Papst werden?
Theoretisch jeder unverheiratete, männliche Katholik, der in voller Gemeinschaft mit der Kirche steht. US-Präsident Donald Trump, der sich per KI als Papst inszenierte, kommt als verheirateter, „nicht-konfessioneller Christ“ nicht für das Amt infrage. Auch Nicht-Kardinäle können Papst werden, wie zuletzt Urban VI. (1378). Gregor XVI. war 1831 sogar nicht einmal Bischof, allerdings Priester. Auch ein selbst nicht wahlberechtigter, weil über 80 Jahre alter Kardinal, könnte Papst werden. Genannt wird Christoph Schönborn, emeritierter Erzbischof von Wien.
■ Betten für die Kardinäle
Noch beim Konklave 1978 lagerten die Kardinäle auf Feldbetten in den Gängen und Sälen nahe der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Johannes Paul II. hatte dann ein Einsehen und ließ das Vatikan-Hospiz „Domus Sanctae Marthae“ zu einem Gästehaus umbauen. Hier kommen die Kardinäle seit 2005 unter. Das Gästehaus wurde für das Konklave geräumt. Als einziger Dauergast darf der 99 Jahre alte nicht wahlberechtigte Kardinal Angelo Acerbi bleiben. Weil Santa Marta aber zu wenig Zimmer hat, schlafen einige Kardinäle im alten Teil des Vatikangästehauses.
■ So streng sind die Regeln
Die Konklaveverordnung „Universi Dominici Gregis“ von 1996 bestimmt, dass die Kardinäle während der Wahl nicht mit der Außenwelt kommunizieren dürfen. Vor dem ersten Wahlgang schwören sie, nichts nach außen zu tragen. Bei Zuwiderhandlung droht die Exkommunikation. Kardinal Siri gab 1978 dennoch ein Zeitungsinterview und wurde nicht exkommuniziert. Verboten ist auch Fernsehschauen in Santa Marta. Kardinal Domenico Calcagno gestand, am Vorabend der Wahl von Papst Franziskus in Santa Marta das TV eingeschaltet zu haben. „Keiner hat mich exkommuniziert.“
■ Sind die Kardinäle allein?
Nein. Der päpstliche Zeremonienmeister, Diego Ravelli, ist dabei. Ebenso einige Kleriker, etwa der Sekretär des leitenden Kardinals. Außerdem leisten zwölf Techniker, darunter Elektriker und Liftboys, Dienst. Auch sie sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Sie kümmern sich auch um den Ofen, in dem die Stimmzettel verbrannt werden. Vor Beginn der Wahl werden alle Fenster des Apostolischen Palastes in der Nähe der Sixtinischen Kapelle verdunkelt und die Zugänge mit 80 Bleisiegeln versehen.
■ Der weiße Rauch
In der Sixtinischen Kapelle gibt es zwei Öfen, die in einen Kamin münden. Im ersten, seit 1939 in Benutzung, werden die Stimmzettel verbrannt. Im zweiten wird seit 2005 aus Kartuschen Farbe beigemischt. Schwarz, wenn kein Kandidat die 2/3-Mehrheit erreicht hat. Weiß, wenn ein Papst gewählt ist. Für alle Fälle läuten dann auch die Glocken des Petersdoms. Wer es ist, erfährt die Welt vom Kardinalprotodiakon, der auf der Benediktionsloggia des Petersdoms das „Habemus papam“ und den Namen des Gewählten auf Lateinisch verkündet. Derzeit hat der in Marrakesch geborene Franzose Dominique Mamberti das Amt inne.
■ Die erste Amtshandlung
Als erste Handlung erscheint der neue Papst auf der Benediktionsloggia, spricht einige Worte und spendet den Segen Urbi et Orbi. Damit beginnt das neue Pontifikat. Papst Franziskus ließ sich 2013 dann in die Basilika Santa Maria Maggiore zum Gebet fahren, dort ist er heute auch begraben. Anschließend fuhr er in die römische Herberge, in der er vor dem Konklave schlief, und bezahlte dort seine Rechnung.