Die Welt braucht einen Friedenspapst

von Redaktion

Konklave im Vatikan

Wie viele Geschichten ranken sich um dieses einzigartige Mysterium, das morgen unter den gewaltigen Fresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle beginnt. 133 Kardinäle werden im Konklave einen aus ihren Reihen zum neuen Papst wählen. Zum Oberhaupt der Weltkirche mit ihren 1,4 Milliarden Katholiken.

Dieses uralte Ritual hinter verschlossenen Türen regt die Fantasie an. In der säkularen Welt nicht zuletzt angefacht durch den Film „Konklave“, der Ränkespiele, Intrigen und strategische Geheimtreffen gekonnt in Szene gesetzt hat. Dass nicht alles an den Haaren herbeigezogen war und sich längst nicht alle Purpurträger in barmherziger Nächstenliebe zugetan sind, hat man zu Lebzeiten von Franziskus erlebt. Es erstaunte, mit welcher Schärfe konservative Franziskus-Kritiker dessen Reformkurs torpediert haben. Zuletzt auch der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, der von Franziskus ausrangierte frühere Präfekt der Glaubenskongregation.

Daher müssen die Kardinäle denjenigen aus ihrer Mitte finden, der das Format hat, Frieden zu stiften, und trotzdem die Reformen seines Vorgängers strukturiert und mit ruhiger Hand weiterführt. Der in der Lage ist, den Frieden und die Barmherzigkeit als Ausdruck der christlichen Botschaft in die Welt zu tragen. Immer mehr Menschen fragen sich, welche Instanz die Glaubwürdigkeit und Strahlkraft hat, um in Gesellschaft und Politik als ernst zu nehmender Mahner Einfluss zu nehmen. Das ist ein Auftrag an den neuen Papst.

Wenn sich das Drittel der ultrakonservativen Kardinäle durchsetzt, das eine Kehrtwende fordert von den begonnenen Reformen (Segnung von geschiedenen Wiederverheirateten und Homosexuellen, Synodalität, stärkere Rolle von Laien/insbesondere Frauen), würde die Kirche vor eine Zerreißprobe gestellt. Zu hoffen ist, dass kluge Köpfe unter den altgedienten Kardinälen, darunter der Münchner Reinhard Marx, mit ihrer Überzeugungskraft den Blick auf den Kandidaten lenken, der als Brückenbauer („Pontifex“) die Lager versöhnt und trotzdem weiter vorangeht. Nur so kann die Kirche gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und Barmherzigkeit in turbulenten Zeiten eintreten. Die Welt braucht einen Friedenspapst!
CLAUDIA.MOELLERS@OVB.NET

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