Der Große Zapfenstreich für Scholz. © Hirschberger/AFP
Am Ende ihrer Amtszeit, wenige Stunden vor dem Feierabend, bringen viele Regierende die Bundeswehr an ihre Grenzen. Das alte Militärzeremoniell des „Großen Zapfenstreichs“, für das Wachbataillon in Berlin eigentlich Routine, hat musikalisch nämlich eine große Besonderheit: Die Geehrten dürfen sich drei Musikstücke wünschen. Zum Proben bleiben dafür nur wenige Tage. Und die Wünsche werden immer ausgefallener.
Man erinnert sich: Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen Amtszeit als Verteidigungsminister noch lange nachwirkt, allerdings nicht positiv, ließ die Soldaten „Smoke on the Water“ spielen. Joachim Gauck wünschte sich „Über sieben Brücken musst Du gehen“ von Karat. Kanzlerin Angela Merkel ging mit „Du hast den Farbfilm vergessen“ von Nina Hagen; aber auch mit dem wunderschönen Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“. Olaf Scholz gestern Abend wünschte sich „Respect“, das in der Version von Aretha Franklin in den 60ern berühmt wurde, außerdem „In my Life“ (Beatles) und ein Bach-Stück. „Ernsthaft, gewissenhaft, nüchtern“, so ließ Scholz seine Musikauswahl deuten.
Der Große Zapfenstreich, rund 90 Minuten im Fackelschein, ist die höchste Form militärischer Ehrerweisung deutscher Soldaten. Der Hintergrund geht weit in die Militärgeschichte zurück in die Zeit der Landsknechte des 16. Jahrhunderts. Damals gab ein Truppenführer in Gasthöfen und Tavernen mit einem Streich auf die Zapfen der Getränkefässer den Beginn der Nachtruhe bekannt. Danach durften die Wirte nicht mehr an die Soldaten ausschenken. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Signal durch Trompeten-, Flöten- und Trommelspiel musikalisch angereichert. Der Zapfenstreich hat seit dem 19. Jahrhundert auch eine religiöse Komponente, wird durch ein Gebet ergänzt. Gegen Ende ertönt die Nationalhymne.
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