Am Ende klang der sonst wenig zimperliche Multimilliardär fast schon beleidigt. Seine Regierungsabteilung für staatliche Effizienz (Doge) werde inzwischen „für alles zum Prügelknaben gemacht“, klagte Elon Musk zum Abschied aus der US-Politik. Der Mann mit der Kettensäge hatte sich nicht nur unter Washingtoner Bürokraten eine Menge Feinde gemacht. Selbst Donald Trump schien zuletzt das Interesse an seinem Kumpel verloren zu haben. Für zwei Egomanen dieser Größenordnung wird sogar die Bühne der Welthauptstadt zu klein.
Der Stern des Elon Musk, der mit Tesla und SpaceX seinen Zenit erreicht hatte, ist mit seinem politischen Engagement in Rekordzeit gesunken. Noch im Januar kannte die Begeisterung in der AfD keine Grenzen, als Musk sich erst mit Alice Weidel zum virtuellen Talk traf und dann eine offene Wahlempfehlung aussprach („Nur die AfD kann Deutschland retten“). Selbst Christian Lindner fand, Berlin müsse mehr Musk wagen. Doch längst hat sich der Hype ins Gegenteil verkehrt. Die Tesla-Verkäufe brachen ein, auch mit Musks Onlinedienst X gab es zuletzt massive Probleme. Und wie als Symbol explodierte am Mittwoch dann ein Testflug von Musks „Starship“. Musk geht also auch, um den eigenen Laden aufzuräumen, dem er schweren Schaden zugefügt hat. Selten haben europäische Konsumenten einen US-Unternehmer so sehr ihre Macht spüren lassen.
Doch mit Musks Scheitern sollte der Grundgedanke nicht in Vergessenheit geraten, weshalb er hinzugezogen wurde: überbordende Bürokratie und zu viel staatliche Ausgaben. Diese Kritik teilen viele Amerikaner, die gegenüber der Hauptstadt traditionell eine viel größere Staats-Skepsis hegen als die Deutschen. Doch Musk ging selbst vielen Skeptikern zu radikal vor. Seine Massenentlassungen, beispielsweise bei den Nationalparks, brachten das System an seine Grenzen, ließen aber Abfindungen und Gerichtskosten explodieren.
Was Deutschland daraus lernen kann? Die Kettensäge bringt eher nichts. Aber mit einer Heckenschere sollte man hierzulande den Wildwuchs an Bürokratie zurückschneiden, der Selbstständige, Unternehmer oder Häuslebauer zur Verzweiflung treibt. Der Merz-Regierung würde man hier mehr Mut wünschen.
MIKE.SCHIER@OVB.NET