KOMMENTAR

Der Staat – weit weg von seinen Bürgern

von Redaktion

Hitzeschutz im Breitensport

Ach, da haben sich wieder viele gut meinende Menschen sehr engagiert Gedanken gemacht – und herausgekommen ist leider ganz großer Unsinn. Der 14-seitige „Musterhitzeschutzplan für den organisierten Sport“, beworben von der neuen CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken, ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit weg die deutsche Bürokratie von den Menschen und ihrem Alltag ist. Das richtet am Ende mehr Schaden an als es nutzt.

Ja, die Sommer in Deutschland werden immer heißer. Und natürlich müssen sich darauf auch die Veranstalter im Breitensport einstellen. Der gesunde Menschenverstand sagt: An Fußballplätzen, am Rand von Laufveranstaltungen und Leichtathletik-Wettkämpfen sollten mehr Sonnenschirme stehen, Trinkwasser-Spender aufgestellt oder schlicht Eimer mit Wasser platziert werden. Pausen sind sinnvoll, womöglich auch eine Anpassung von Anstoß- und Startzeiten. Das Ministerium hätte für Vereine eine praktikable Checkliste erstellen können.

Doch stattdessen erweist sich der Staat mal wieder als übergriffig und belehrend. Vereine sollten „eine für Hitzeschutz zuständige Person benennen“, einen „sportart- und sportstättenspezifischen Maßnahmenkatalog für akute Hitzewarnstufen erstellen“ und „Überbrückungskonzepte für Mangellagen (Energie, Wasser) erstellen“. Wie bitte? Das Ganze gipfelt in der Aufforderung, nicht mehr zu grillen und auf den „Ausschank von alkoholischen, stark zuckerhaltigen, koffein- oder taurinhaltigen Getränken zu verzichten“. Menschen, die so etwas schreiben, waren offenbar noch nie bei einem Fußballturnier.
MIKE.SCHIER@OVB.NET

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