Putins Rache? Angriff auf Zivilisten in Sumy

von Redaktion

Leid in Sumy: Mindestens drei Menschen wurden getötet. © Epa/NATIONAL POLICE OF UKRAINE

München/Kiew – War das eine erste Rache-Aktion für die Zerstörung russischer Kampfjets? Bei russischen Raketenangriffen auf die Stadt Sumy wurden drei Menschen getötet. Russland habe „direkt“ auf die Stadt gezielt, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. „Es war ein vorsätzlicher Angriff auf Zivilisten“, fügte er hinzu.

Nach den außergewöhnlich umfangreichen ukrainischen Drohnenangriffen auf Russland will die russische Regierung unterdessen vorerst keine weiteren Einzelheiten dazu bekannt geben. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow rief am Dienstag dazu auf, die „Ergebnisse einer Untersuchung“ abzuwarten, und verwies auf eine Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Bei der Geheimoperation „Spinnennetz“ sind der Ukraine zufolge mehr als 40 Flugzeuge zerstört worden. „Die Gesamtverluste der Besatzer belaufen sich auf 41 Militärflugzeuge, darunter strategische Bomber und andere Arten von Kampfflugzeugen“, schrieb der Generalstab bei Facebook. Die Korrektur sei nach der „Verarbeitung zusätzlicher Informationen aus unterschiedlichen Quellen und ihrer Überprüfung“ erfolgt. Am Morgen hatte der Stab noch von nur zwölf vernichteten Flugzeugen geschrieben und damit dem Geheimdienst widersprochen.

Derweil gelang dem ukrainischen Geheimdienst SBU erneut ein spektakulärer Angriff: Wie der SBU bekannt gab, wurden die Unterwasserstützen der von Putin erbauten Kertsch-Brücke zur Halbinsel Krim vermint und mit einer großen Explosion beschädigt.

Die russische Armee erklärte unterdessen, einen weiteren Ort in der Region Sumy eingenommen zu haben. Das Dorf Andrijiwka etwa fünf Kilometer von der russischen Grenze entfernt stehe unter der Kontrolle der russischen Streitkräfte.

Die Ukraine befürchtet eine neue Großoffensive der russischen Armee gegen die Grenzregion Sumy. Bei ihrem Einmarsch im Februar 2022 waren russische Truppen auch durch das Gebiet Sumy in Richtung Kiew vorgerückt und hatten entlang der Hauptverkehrsstraßen größere Gebiete kontrolliert. Die Gebietshauptstadt konnte dabei nicht erobert werden. Ende März 2022 zogen sich die russischen Einheiten allerdings wieder hinter die Grenze zurück.

Der neue russische Vormarsch in Sumy geht auf einen Befehl von Kremlchef Wladimir Putin zurück, der die Schaffung einer Pufferzone entlang der russisch-ukrainischen Grenze angeordnet hatte. Der Kreml lehnte gestern den von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Dreiergipfel von ihm, Putin und Selenskyj ab. Putin sei zwar zu Kontakten auf höchster Ebene bereit, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow. „Doch er unterstreicht, dass solche Kontakte das Ergebnis von Vereinbarungen sein sollten, die vorher auf technischer Ebene getroffen wurden.“ Von den russisch-ukrainischen Gesprächen am Montag in Istanbul sei kein Durchbruch zu erwarten gewesen, sagte Peskow. Die Kriegsparteien hatten sich bei dem zweiten Treffen seit Mitte Mai auf einen weiteren Gefangenenaustausch geeinigt.

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