Pfingsten, das Fest im Blütenzauber, ist zugleich das geistigste Fest der Kirche. „O komm, du Geist der Klarheit, und kehre bei uns ein“, heißt es in dem wohl bekanntesten Pfingstlied. Der Pastor und spätere Superintendent Philipp Spitta hat es zu Pfingsten 1827 verfasst.
Denken – Fühlen – Handeln machen unser Leben aus. Im Geist pfingstlicher Klarheit können wir dieser Dreieinigkeit näherkommen.
Denken ist das wunderbare Abenteuer zu immer neuen, fremden Bereichen ebenso wie zum eigenen Ich. Es ist der Aufstand gegen die Vorurteile der Zeit und gleichzeitig ein Bewahren gefährdeter Werte. Zum Denken gehört, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen.
Das Fühlen bewährt sich in der menschlichen Begegnung, in der wir im anderen Möglichkeiten sehen, die man selber nicht lebt. Das beginnt mit dem Verhältnis Eltern – Kinder, Lehrer – Schüler, Meister – Lehrling. Es ist die erste beglückende Begegnung der Geschlechter in schwärmerischer Liebe wie die Begegnung in einer langen Ehe, einer Freundschaft.
Diese Begegnung braucht nicht immer eine persönliche zu sein. Sie kann sich ebenso geistig vollziehen als Leben mit den politischen oder literarischen Werken längst entschwundener Personen. So hat Goethe von seiner Frau gesprochen als dem „Glück der nächsten Nähe“ und direkt daneben den Dichter Shakespeare gesetzt als seinen „Stern der höchsten Höhe“. Ebenso erfüllend ist für den, der offen ist für Geschichte, die Begegnung mit Personen der Weltgeschichte in ihrem Scheitern wie in ihren Erfolgen.
Im Handeln erst finden wir unsere Erfüllung wie unser Schicksal. Wer handelt, der gestaltet etwas, wie der Künstler es tut in seiner Kraft. Wer handelt, der verändert die Welt, und mag die Wirkung seines persönlichen Handels auch noch so begrenzt sein. Die Entzündung der Idee des Handelns, das ist der Kern der Pfingstbotschaft. In der Apostelgeschichte wird erzählt, wie der heilige Geist auf die Jünger Jesu gekommen ist und sie befähigt hat, mutig und offen für den Aufbruch in die Welt zu sein.
Wer aber handelt, der macht sich auch schuldig im Kleinen wie im Großen. Auch das durchzieht die Geschichte aller Kirchen – bei allem Guten, was durch ihre Herrschaft geschaffen wurde und wird.
Im Denken, Fühlen und Handeln ist alles enthalten, was unser Leben ausmacht. Innere Freiheit des Denkens ohne Vorurteile, Glück des Fühlens auch in nur platonischer Begegnung, Größe und Kreativität des Handelns. So ist auch für uns wie damals für die Apostel dieses Pfingstfest wieder eine Chance aufzubrechen und diesen Dreiklang mit neuem Leben zu erfüllen.
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