Krisengespräche, als sie noch miteinander sprachen: Donald Trump und Elon Musk im März im Weißen Haus. © Schmidt/AFP
Washington – Die Allianz zwischen Donald Trump und Elon Musk schien felsenfest, nun endet sie in einer öffentlichen Schlammschlacht. Berichte über ein angeblich für Freitag anberaumtes Versöhnungsgespräch wies Trump schnell zurück. „Sie meinen den Mann, der seinen Verstand verloren hat?“, entgegnete er auf eine Frage des Senders ABC. Er sei „nicht besonders“ interessiert.
Der Streit zwischen den beiden Männern war rund um Trumps Steuer- und Haushaltsgesetz entflammt. Musk, der sich bis vor Kurzem um eine radikale Senkung der Staatsausgaben kümmern sollte, fordert weitaus stärkere Ausgabenkürzungen. Nach seinem Rückzug aus Washington verschärfte er die Attacken auf das Gesetz – also auch auf Trumps Regierung.
Öffentlich wurde Trump zum ersten Mal beim Termin mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus auf die Kontroverse angesprochen. Der 78-Jährige deutete an, dass Musk von geschäftlichen Interessen geleitet werde. Der Tesla-Chef habe kein Problem mit dem Gesetz gehabt – bis er erfahren habe, dass auch eine Kürzung milliardenschwerer Subventionen für Elektrofahrzeuge dazugehöre.
Musk nannte das eine Lüge und forderte republikanische Kongressmitglieder auf, sich bei der Abstimmung über das Gesetz auf seine Seite zu schlagen. Die dürften das ernst nehmen. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 300 Milliarden Dollar ist Musk der reichste Mensch der Welt. Problemlos könnte er Herausforderer finanzieren, die unliebsamen Abgeordneten im Kongress das Mandat streitig machen. Für Trumps Wahlkampf spendete Musk einen dreistelligen Millionenbetrag. „Ohne mich hätte Trump die Wahl verloren“, behauptete er jetzt. „So eine Undankbarkeit.“
Danach holte Musk zu einer aufsehenerregenden Anschuldigung aus, die er mit dem Satz „Es ist an der Zeit, die wirklich große Bombe zu werfen“ einleitete: Er behauptete, Trumps Name finde sich in Unterlagen zum berüchtigten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. „Das ist der wahre Grund, warum sie nicht veröffentlicht wurden“, schrieb er. Belege blieb er schuldig. Der Präsident äußerte sich zunächst nicht. Trump-Vertraute sagten CNN aber, sie glaubten nicht, dass sich das Verhältnis der beiden von dieser Attacke Musks erhole.
Der Tech-Milliardär verbreitete mit einem knappen „Ja“ auch einen Beitrag bei X weiter, in dem der Autor schrieb, dass Trump des Amtes enthoben werden müsse. Trump wiederum drohte mit finanziellen Konsequenzen für Musks Unternehmen. Viele Tesla-Anleger reagierten panisch, die Aktie des Autobauers verlor zum US-Handelsschluss mehr als 14 Prozent. Im Gegenzug kündigte Musk an, seine Raumfahrtfirma SpaceX werde sofort damit anfangen, die für die Nasa unverzichtbare Weltraumkapsel Dragon außer Betrieb zu nehmen. Später schien er dies zwar wieder zurückzunehmen – allerdings war nicht klar, wie ernst es Musk damit meint.
In den vergangenen Monaten trugen Trump und Musk demonstrativ ihre Eintracht zur Schau, sodass der schwerreiche Firmenboss oft als „First Buddy“ des Präsidenten bezeichnet wurde. Als die Verkaufszahlen von Tesla einbrachen, ließ Trump eine Autokolonne vor dem Weißen Haus auffahren und kaufte sich demonstrativ eines der Elektrofahrzeuge. „Ich liebe Tesla!“, rief Trump. Nun erwägt der US-Präsident Medienberichten zufolge, seinen roten Tesla wieder zu verkaufen oder zu verschenken.