Papst Leos Friedensappell

von Redaktion

Kirchenoberhaupt telefoniert mit Putin – Vatikan meldet sich als Vermittler zurück

Papst Leo XIV. gilt als kommunikativ. © Borgia/dpa

Vatikan – Wer wen angerufen hat, wird nicht berichtet. Aber die Tatsache, dass Papst Leo XIV. am Mittwoch erstmals mit Wladimir Putin telefoniert hat, lässt aufhorchen. Die diplomatischen Kanäle zwischen dem Vatikan und Russland sind also nicht gekappt. Wenn auch in den ersten Wochen des Pontifikats von Leo klar geworden ist, dass die Vermittlerrolle der katholischen Kirche im Ukrainekrieg äußerst schwierig ist.

Unter Franziskus hatte es noch Kritik daran gegeben, dass das Kirchenoberhaupt lange Zeit Putin nicht eindeutig als den Aggressor brandmarkte. Hinter vorgehaltener Hand war darauf verwiesen worden, dass der Vatikan die Türen für Gespräche offen halten wolle.

Am Rande der Beisetzungsfeierlichkeiten von Franziskus kam es am 26. April dann zu einer spektakulären Begegnung zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump im Petersdom. Es war das erste Treffen der beiden nach dem Wortgefecht im Weißen Haus im Februar. Das Foto von den Männern, die sich in der Basilika auf Stühlen gegenübersitzen, ging um die Welt. Und die katholische Kirche war wieder als Vermittler im Gespräch.

Als zwei Wochen später der Amerikaner Robert Francis Prevost zum Papst gewählt wurde, keimte die Hoffnung auf, dass Leo XIV. als Friedensstifter agieren könnte. Nun also das Telefonat, über das „Vatican News“ berichtete: „Der Papst hat an Russland appelliert, eine Geste zu leisten, die den Frieden fördern könnte, und hat die Bedeutung des Dialogs für die Herstellung positiver Kontakte zwischen den Parteien und für die Suche nach Lösungen für den Konflikt hervorgehoben.“ Auch über die humanitäre Lage sei gesprochen worden, über Bemühungen um einen Gefangenenaustausch. Thema war zudem der orthodoxe Patriarch von Moskau, Kyrill. Dabei muss man wissen, dass es zwischen der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche seit Jahren schwere Spannungen gibt.. Nicht zuletzt, weil Kyrill den Krieg seines Freundes Putin von Beginn an unterstützt hat.

Dass Verhandlungen im Vatikan stattfinden könnten, gilt als unwahrscheinlich. Dagegen spricht schon die Tatsache, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche/Moskauer Patriarchat, die von der Ukraine verboten wurde, und die nationale Orthodoxe Kirche der Ukraine total zerstritten sind. Zwei orthodoxe Länder, so der russische Außenminister Sergej Lawrow, könnten ihren Konflikt nicht auf dem Boden der katholischen Kirche regeln.

Die bleibt trotzdem ein wichtiger Vermittler. Schon in der Vergangenheit hat sie das bewiesen: So wird dem polnischen Papst Johannes Paul II. eine entscheidende Rolle beim Zusammenbruch der Sowjetunion zugewiesen. Auch die Annährung zwischen Kuba und den USA geht auf Vermittlungen durch die Päpste Benedikt und Franziskus zurück. Leo, der als guter Zuhörer gilt, könnte hier neue Akzente setzen.CLAUDIA MÖLLERS

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