KOMMENTAR

Eine Frage der Lebensqualität

von Redaktion

Tempo 30 in der Stadt

Der Blick auf Münchens Straßenverkehrspolitik zeigt, höflich formuliert, wunderliche Details. Tempo 30 auf der Leopoldstraße, sinnloser Kriechverkehr auf Teilen des Mittleren Rings, weil ein dubioser Abmahnverein, als Umweltlobbyisten getarnt, Radau macht – aber Tempo 50 in manchen Wohngebieten, dort mittendurch sogar Touren von knatternden und stinkenden Seifenkisten. Da steckt kein Sinn und wenig Verstand dahinter, und immer mehr Bürger sind schwer genervt. Eine Neuordnung, mit klarer, härterer Linie, ist nötig.

Teil des Problems war die überkomplizierte Straßenverkehrsordnung, für die die Kommunen nichts können. Seit Frühjahr ist in Berlin die Novelle durch, innerorts kann nun leichter Verkehrsberuhigung angeordnet werden. Natürlich muss im Wohngebiet Tempo 30 der Normalfall sein, noch stärker als etwa bisher in München. Das ist keine ideologisch oder gar durch Autohass aufgeladene Frage wie die nach dem Limit auf Autobahnen – sondern ein Einsatz für Lebensqualität in sehr dicht besiedeltem Umfeld. Eine Stadt ganz ohne Autos ist nicht lebenswerter, schon gar nicht für Anwohner (Senioren, Familien), die aufs Auto angewiesen sind. Aber Tempo 30 und eine kluge Neuverteilung der Verkehrsflächen mit mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer helfen dabei, Konflikte zu entschärfen.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET

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