Berlin – Zwei Kameraden starben, einer verlor beide Augen, auch er selbst wurde schwer verletzt. Eine Sprengfalle hatte das Auto erwischt, in dem Hauptfeldwebel Maik und seine Kameraden dem Feuer der Taliban entkommen wollten. Am 2. April 2010 war das. In Kundus musste er drei Mal reanimiert werden, dann flogen sie ihn aus nach Deutschland.
Das „Karfreitagsgefecht“, bei dem insgesamt drei deutsche Soldaten in Afghanistan fielen, hat Spuren bei ihm hinterlassen – manche sind sichtbar, andere bleiben verborgen. Am Sonntag steht Hauptfeldwebel Maik stellvertretend für alle Soldaten, die Außergewöhnliches geleistet und Schweres erlebt haben. An diesem Tag feiert Deutschland erstmalig den Veteranentag.
Mit dem neu geschaffenen Tag sollen der Einsatz und die Leistungen aller Angehörigen der Streitkräfte gewürdigt werden. Anders als in den USA, wo der Begriff „Veteran“ ehemalige und einsatzgeschädigte Soldaten meint, umfasst er in Deutschland alle ehrenhaft ausgeschiedenen und aktiv dienenden Soldaten der Bundeswehr. Seit ihrer Gründung im November 1955 sind das mehr als zehn Millionen Frauen und Männer.
Der Bundestag hatte die Einführung des Gedenktages im vergangenen Jahr auf Antrag von SPD, Union, Grünen und FDP beschlossen. Der Wunsch nach solch einem Tag war in den letzten Jahren nicht nur aus der Truppe, sondern auch aus der Bevölkerung laut geworden. „Sie verdienen Respekt, Anerkennung und Würdigung für ihren Dienst und die Bereitschaft, im Fall des Falles das höchste Gut – ihr Leben – für Sicherheit, Frieden und Freiheit einszusetzten“, heißt es im Antrag.
Aber auch Generalleutnant Andreas Hoppe, Stellvertreter des Generalinspekteurs und Veteranenbeauftragter, sagt: „Wer unter Einsatz seines Lebens für Recht und Freiheit eintritt, hat Anerkennung und Wertschätzung verdient. Von der deutschen Gesellschaft erwarte ich daher zum einen Interesse und zum anderen Respekt.“ Sogar aus der Kirche kommt Rückendeckung. Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck forderte mehr Unterstützung für Veteranen und eine Gedenkkultur. Das sei „eine Verpflichtung für unsere Demokratie“. Die Kirchen beteiligen sich laut Overbeck unter anderem mit zahlreichen Gottesdiensten.
Zugleich geht es beim Veteranentag auch um Fürsorge und Unterstützung: Viele (einsatzgeschädigte) Veteranen kämpfen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Verwundungen oder Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg ins zivile Leben. Der Veteranentag soll auch dafür sensibilisieren. Gegen den Gedenktag stimmt die Linke im Bundestag. Begründung: Man sei gegen eine „Inszenierung von Helden“.
130 Veranstaltungen finden am 15. Juni überall im Land statt – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner als Schirmherrin bittet ihre Abgeordneten nachdrücklich, die öffentlichen Veranstaltung in Berlin im „Veteranendorf“ am Reichstagsgebäude zu unterstützen und sich für den Austausch mit den Gästen zur Verfügung zu stellen. ELENA KRONENBITTER