Es sind mal wieder Tage ungebremsten Bahn-Bashings. Selbst schuld, könnte man sagen. Wer um minimaler Einsparungen willen symbolhaft die Familienreservierung zusammenstreicht, hat entweder schlechte Berater oder ist selbst nicht recht bei Verstand. Getrieben von schlechten Zahlen und nackter Panik verbreitet die DB-Spitze um Richard Lutz, dessen Posten zusehends wackelt, nun weiteren Unsinn – so die verwegene Idee, bei der Sanierung von Strecken zu bremsen. Baustellen würden ja die Pünktlichkeit der Züge weiter in den Keller treiben. Angesichts solcher Vorschläge könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass der Bahnvorstand selbst die größte Baustelle des Systems Schiene ist.
Aber im Ernst: Langsamfahrstellen, Uralt-Stellwerke, defekte Bahnübergänge – die Liste der Versäumnisse auch im Großraum München ist lang. Zum Glück hat es die Bahn hier endlich geschafft, mit zweijähriger Verspätung das elektronische Stellwerk am Ostbahnhof in Betrieb zu nehmen. Ein Lichtblick! Das könnte den S-Bahn-Betrieb etwas stabilisieren. Etliche Baustellen aber bleiben. Was sollte besser werden, wenn man all das unterlässt (wie bisher)?
Natürlich kann man bei der geplanten Sanierung sogenannter Hochleistungskorridore noch mal genauer hinsehen. Vielleicht muss die Reparatur umfassender geschehen, dürfen Brücken und Bahnübergänge nicht ausgeklammert, können Zeitpläne und die Abfolge geändert werden. Und klar: Wer plötzlich große Bauvorhaben beginnt, überfordert die Kapazitäten der Bahnindustrie und treibt die Preise nach oben. Es wäre aber eine Katastrophe, deswegen die Sanierung wieder abzusagen – wo sich die Industrie gerade darauf einstellt. Auf den Rat von Bahnhasser-Gremien wie Bundesrechnungshof und Monopolkommission kann man daher getrost verzichten. Auf den Rat mancher DB-Vorstände auch. Wo waren denn diese Experten, als die Bahn kaputtgespart wurde?
Dirk.Walter@ovb.net