München – Wenn Ostern in der Orthodoxie und in der katholischen und evangelischen Kirche wie in diesem Jahr auf einen gemeinsamen Termin fällt, freut sich die Christenheit. Dass die Termine aber meist auseinander liegen – bis zu fünf Wochen – liegt daran, dass sich die katholische Kirche und die evangelischen Kirchen nach dem Gregorianischen Kalender richten, die Orthodoxie nach dem Julianischen Kalender. So beginnt für die Orthodoxen das Jahr erst mit dem 13. Januar.
Derzeit gibt es eine Initiative, für die Christen einen gemeinsamen Ostertermin zu finden. Das hatte bereits der verstorbene Papst Franziskus angeregt, auch dessen Nachfolger Leo XIV. folgt diesen Spuren – zumal in diesem Jahr des Konzils von Nizäa vor 1700 Jahren gedacht wird, auf dem ein gemeinsamer Ostertermin festgelegt worden war. Der war aber 1582 durch die Kalenderreform verloren gegangen.
„In diesem Jahr, in dem alle Christen Ostern am selben Tag gefeiert haben, möchte ich die Offenheit der katholischen Kirche für die Suche nach einer ökumenischen Lösung bekräftigen, die eine gemeinsame Feier der Auferstehung des Herrn begünstigt“, hat Papst Leo jüngst im Vatikan bekräftigt.
Auch das Oberhaupt der Orthodoxie, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist für einen gemeinsamen Ostertermin. Dass nun bei einer im November geplanten Feier zum Nizäa-Konzil im heutigen Iznik/Türkei, zu der auch Papst Leo kommen will, ein Beschluss fallen könnte, gilt aber als unwahrscheinlich.
Dagegen spricht vor allem die schwierige Situation in der Orthodoxie – speziell die Rolle der Russisch-Orthodoxen Kirche. Der Moskauer Patriarch Kyrill I., ein enger Freund des russischen Präsidenten Putin und Unterstützer des Ukraine-Kriegs, erkennt Bartholomaios als Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie nicht an „Ich denke, dass eine Einigung aller 16 orthodoxen Kirchen sehr schwierig ist“, sagte Anargyros Anapliotis, Dozent für Kirchenrecht an der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, auf Anfrage. Vor allem die größte orthodoxe Kirche, die Russische, werde da nicht mitmachen. Auch Serbien und Georgien sieht er nicht mit im Boot. Möglich sei aber, dass die katholische und die evangelischen Kirchen den Osterzyklus nach dem alten Julianischen Kalender ausrichten könnten. „Die Schwierigkeit hier sehe ich in der Struktur der evangelischen Kirche. In der katholischen Kirche kann das der Papst entscheiden. In der evangelischen Kirche gibt es die vielen Landeskirchen“, so der Akademische Oberrat.
Zu Bedenken gibt Anapliotis auch, dass ein Einlenken der katholischen Kirche und der evangelischen Schwesterkirchen ein Zugeständnis an Kyrill I. sei. „Das wäre politisch schwierig.“ Auch wenn ein gemeinsames Osterfest der ganzen Christenheit wünschenswert wäre, sieht Anapliotis wenig Chancen: „Ein frommer Wunsch.“ Institutssekretär Reinhard Schnitzler ist ebenfalls skeptisch: „Mit den Russen könnte es sehr problematisch werden, weil es sehr viele gibt, die militant auf dem alten Kalender bestehen.“ Innerhalb der nächsten zehn Jahre rechnet Schnitzler nicht mit einer Entscheidung zu einem gemeinsamen Ostertermin. Sicher ist nur: der Kalender beschert der Christenheit das nächste gemeinsame Ostern am 16. April 2028. C. MÖLLERS