Heißes Pflaster: Ein Arbeiter bewegt Steine vor der Pomeroy Kananaskis Mountain Lodge, in der sich die G7-Chefs treffen. © dpa
München – Eingerahmt von den Gipfeln der Rocky Mountains liegt Kananaskis. Der von Wäldern umgebene Urlaubsort wird dominiert vom Luxusbau des Hotels Pomeroy Mountain Lodge, das in den kommenden Tagen die Mächtigen der Welt beherbergen wird: Kanada, diesmal Gastgeber, hat Kananaskis als Tagungsort für den Gipfel der sieben großen westlichen Industrienationen (G7) ausgewählt. Es folgt dem Trend hin zu abgeschiedenen Gipfel-Hotels draußen in der Natur – wo die Gewalt zwischen Demonstranten und Polizei kaum eskalieren wird.
Doch statt einer Eskalation von außen fürchten sechs der Teilnehmer diesmal eher die Eskalation von innen. Denn der Erfolg des Gipfels wird maßgeblich vom Gebaren des US-Präsidenten abhängen. Trump hat reichlich Chaospotenzial – und misstraut multilateralen Institutionen. Auch für Bundeskanzler Friedrich Merz geht es in Kanada vor allem darum, nach der geglückten Bewährungsprobe in Washington das zarte Pflänzchen seiner Beziehung zu Trump zu pflegen. „Das Wichtigste ist, dass wir es schaffen, als G7 ein Signal der Einigkeit zu senden“, heißt es aus dem Berliner Kanzleramt. Dort wird darauf verwiesen, dass Trump beim letzten G7-Gipfel in Kanada 2018 für einen Eklat sorgte: Nach seiner Abreise zog er noch im Flugzeug seine Unterschrift unter das Abschlussstatement zurück, weil er sich über den damaligen kanadischen Premierminister geärgert hatte.
Insgesamt geht es aber um noch weit mehr – nämlich die Handlungsfähigkeit der westlichen Staatengruppe in einer aus den Fugen geratenen Welt. Ein Ausscheren der USA würde den Westen als globalen Akteur weiter schwächen – zur Freude Russlands und Chinas. Aus dem Umfeld des Gastgebers, Kanadas Premierminister Mark Carney, heißt es ernüchtert: „Die USA sind kein verlässlicher Partner mehr.“
Der G7 gehören neben Kanada die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an. Sie versteht sich seit dem Ausschluss Russlands wegen der Annexion der Krim 2014 als Wertegemeinschaft der großen westlichen Demokratien. Seit Trump gibt es aber massive Differenzen zwischen den USA und den anderen sechs Mitgliedern.
Eine umfassende gemeinsame Abschlusserklärung ist wohl auch deshalb diesmal nicht geplant. Die kanadischen Gastgeber gingen davon aus, dass es bei dem Treffen in den Rocky Mountains von Sonntag bis Dienstag stattdessen nur „ausgewählte Erklärungen zu spezifischen Themen“ geben werde, hieß es aus deutschen Regierungskreisen in Berlin. Konkret genannt wurden Migration, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Waldbrände und seltene Rohstoffe. Zu den Kriegen in der Ukraine und im Gazastreifen soll es dagegen ebenso wenig ein gemeinsames Dokument geben wie zum Klimawandel, der Entwicklungshilfe oder dem Iran-Streit. AFP/MM