München – Der Iran steckt in seiner wohl schwersten Krise. Der mächtigste Führer des Landes, das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei, war eine Woche lang abgetaucht. Nachdem selbst in kontrollierten Staatsmedien die Frage nach dem Verbleib Chameneis immer lauter wurde, meldete sich der Ayatollah gestern in einer Videobotschaft zu Wort: Das iranische Volk habe „seine Würde, seine herausragende und außergewöhnliche Persönlichkeit gezeigt“, sagte der Religionsführer. Das „zionistische Regime“ – gemeint ist Israel – sei „niedergestreckt und zermalmt“ worden.
In den iranischen Medien und Sozialen Netzwerken hatten sich zuvor die Fragen nach dem verschwundenen Ayatollah gehäuft. „Die Islamische Republik ist am Ende und bricht zusammen. Was begonnen hat, ist unumkehrbar“, erklärte der im US-Exil lebende Sohn des Schahs von Persien, Mohammed Reza Pahlavi. Chamenei verstecke sich „wie eine ängstliche Ratte“ in einem Bunker und habe die Kontrolle über die Situation verloren.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hält derweil eine am Dienstag bekanntgewordene erste Einschätzung des Militärgeheimdienstes DIA zu den Auswirkungen der US-Angriffe auf Atomanlagen im Iran für wenig aussagekräftig. Der Bericht sei aktuell nur wenig vertrauenswürdig. Trump habe den „komplexesten und geheimsten Militäreinsatz der Geschichte“ angeordnet. Das als „streng geheim“ eingestufte DIA-Gutachten sah das iranische Atomprogramm durch die schweren Luftangriffe der US-Streitkräfte wohl nur um einige Monate zurückgeworfen. Das Weiße Haus hat die Veröffentlichung von Erkenntnissen daraus durch US-Medien bereits zuvor kritisiert.KR/DPA