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Big beautiful Gipfel-Show

von Redaktion

Trump trifft Putin

Gut sieben Jahre ist es her, dass sich Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un auf neutralem Boden trafen. Die Begegnung war eine Sensation, weil sie die Anführer der zwei verfeindeten Staaten zum ersten Mal überhaupt zusammenführte. Weitere Treffen folgten, Trump überschritt sogar die Grenze von Süd- nach Nordkorea. Es blieben: wuchtige Bilder für den Präsidenten und eine (vorübergehende) Aufwertung des Diktators.

Nun ist Kim nicht Putin und der Krieg von heute nicht mit der atomaren Krise von damals vergleichbar. Aber aus der Inszenierung lässt sich doch etwas für den geplanten Gipfel zwischen dem Kremlchef und dem US-Präsidenten lernen. Trump scheint noch immer zu glauben, dass sich komplexe Krisen per Buddy-Politik regeln lassen. Von dem Kim-Zinnober blieb aber inhaltlich nichts übrig. Es war pure Show.

Dass es mit Putin ähnlich laufen könnte, ist zumindest nicht abwegig. Der Kremlchef hat militärisch derzeit keinen Grund, einen Deal zu machen, ökonomisch allenfalls dann, wenn Trump das einträgliche russische Ölgeschäft abwürgt. Die Sanktionen gegen Russlands Handelspartner China und Indien, die Trump eigentlich nach Ablauf einer Frist für vergangenen Freitag angedroht hatte, täten dem Kreml empfindlich weh. Aber der Republikaner traut sich an Peking nicht heran. Der Putin-Gipfel wirkt insofern wie eine Ersatzhandlung; und der Russe, süchtig nach Augenhöhe mit den USA, spielt mit.

Um es klar zu sagen: Alles, was die Ukraine einem gerechten (!) Frieden näher bringt, ist willkommen. Und der Gedanke, von einem Zweier- zu einem Dreiertreffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu kommen, klingt stimmig – auch wenn an Europa mal wieder keiner denkt. Aber schon hier blockt die russische Seite massiv, spricht von „Bedingungen“, die weit entfernt lägen. Das ist der bekannte Kreml-Code für die Unterwerfung Kiews. Bereitschaft zum Kompromiss? Pustekuchen.

Trump spielt den Friedensfürsten, der Dynamik in einen erstarrten Konflikt bringt. In Wahrheit aber führen er und Putin nur ein Tänzchen auf, das beiden Männern mehr Zeit verschafft. Vor den wirklich wirksamen Hebeln scheut der Republikaner auch jetzt zurück. Dabei ist der politische, militärische, wirtschaftliche Druck auf den Kreml noch nicht groß genug, um Putin nervös zu machen. Erst wenn sich das ändert, ist Bewegung zu erwarten. Bis dahin bleibt jeder Gipfel Show. MARCUS.MAECKLER@OVB.NET

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