Längeres Arbeiten für Beamte?

von Redaktion

Wissenschaftler wollen Renteneintrittsalter an höhere Lebenserwartung knüpfen

Die Zahl der Rentner steigt auf 22,3 Millionen. © Dedert/dpa

München – Die Rentensituation in Deutschland verschärft sich weiter. Das zeigen auch neue Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach stieg 2024 die Zahl der Rentenbezieher um 0,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit bezogen insgesamt 22,3 Millionen Menschen Leistungen aus gesetzlicher, privater oder betrieblicher Rente. Die Höhe der Rentenleistungen nahm damit um 5,7 Prozent oder 21,7 Milliarden Euro zu. Kostenpunkt: 403 Milliarden Euro.

Vor dem Hintergrund der angespannten Finanzsituation hat das kommunalpolitisch ausgerichtete Pestel-Institut jetzt einen besonderen Vorschlag vorgestellt, um die steigenden Kosten abzufedern. Demnach sollten Beamte fünfeinhalb Jahre länger arbeiten, weil sie im Schnitt eine höhere Lebenserwartung haben. Die Wissenschaftler haben sich dazu die Lebenserwartung von regulären Arbeitern im Vergleich zu Beamten angeschaut. Demnach werden männliche Beamte durchschnittlich 5,6 Jahre älter als Arbeiter. Sofern „sie das 65. Lebensjahr überhaupt erreichen“, heißt es im Bericht. Beamtinnen leben drei Jahre länger als ihre nicht verbeamteten Kolleginnen.

„Wer weniger verdient, lebt statistisch auch kürzer“, sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Das heißt, Gutverdiener bekommen „eine höhere Rente oder Pension – und das auch noch wesentlich länger“, erklärt Günther. Zwar gebe es beim Renteneintrittsalter nur geringe Unterschiede zwischen gesetzlich Versicherten und Beamten, bei der Lebenserwartung seien sie allerdings deutlich größer, heißt es im Bericht. Die Rente habe damit einen „gravierenden Ungerechtigkeitsfaktor“.

Die Wissenschaftler fordern deswegen, dass die voraussichtliche Dauer der Rentenzahlung endlich auch eine Rolle bei einer geplanten Rentenreform spielt. Da es „eine seit Jahrzehnten mutlos geführte Rentenpolitik“ gebe, sagt Günther.

Das Kabinett hatte diese Woche ein milliardenschweres Rentenpaket beschlossen. Es beinhaltete die Stabilisierung des Rentenniveaus von 48 Prozent bis 2031 sowie eine Ausweitung der Mütterrente. Nach der Sommerpause soll die Aktivrente durchgesetzt werden. Damit können Erwerbstätige in der Rente bis zu 2000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat jetzt aber berechnet, dass das 2,8 Milliarden Euro pro Jahr kosten würde.HUD/AFP

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