Paris – Einen Tag nach der verlorenen Vertrauensabstimmung im Parlament ist Frankreichs Premierminister François Bayrou am Dienstag mit Präsident Emmanuel Macron zusammengetroffen, um seinen Rücktritt einzureichen. Bayrou verließ den Elysée nach etwa anderthalb Stunden. Neuer Regierungschef soll Verteidigungsminister Sébastien Lecornu werden. Der 39-jährige, ein enger Vertrauter von Macron, habe den Auftrag, sich mit den Parteien zu beraten, um einen Konsens zu erreichen, teilte der Élysée-Palast gestern Abend in Paris mit.
Es ist das erste Mal, dass eine französische Regierung nach einer Vertrauensfrage stürzt, die der Premierminister selbst gestellt hat. Hintergrund war ein Streit über von Bayrou geplante Sparmaßnahmen in Höhe von 44 Milliarden Euro. Die Regierung bleibt zunächst geschäftsführend im Amt. Innenminister Bruno Retailleau hatte Macron mit Blick auf landesweit angekündigte Proteste zur Eile bei der Ernennung des neuen Premierministers ermahnt.
Lecornu ähnelt dem Präsidenten in vieler Hinsicht, würde ihn aber zumindest vorerst nicht in den Schatten stellen. Der 39-Jährige, der älter wirkt, hat seine politische Karriere mit 19 Jahren bei den Konservativen begonnen. Er hat seitdem zahlreiche Posten innegehabt, oft als jüngster Amtsinhaber. Lecornu war bereits Bürgermeister, Senator und hatte drei Ministerposten inne.