Israel greift Hamas-Spitze in Katar an

von Redaktion

Kriegsszenen in Doha: Ein Mann beobachtet die Rauchwolke nach dem israelischen Angriff. Das Foto stammt aus einem AFP-Video. © JACQUELINE PENNEY/AFP

Doha/Tel Aviv – Israel übernahm die volle Verantwortung. Der israelische TV-Sender Channel 12 berichtete unter Berufung auf Regierungsvertreter, US-Präsident Donald Trump habe dem Angriff vorab zugestimmt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, israelische Kampfpiloten und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet hätten den Einsatz „optimal und präzise“ auf eine Weise ausgeführt, die „die ganze Welt beeindruckt hat“. Die Hamas warnte er vor Vergeltung. „Die Zeiten, in denen Terroristenführer irgendwo Immunität genießen können, sind vorbei“, sagte er gestern in Jerusalem. Die Angriffe in Katar habe er angeordnet, um „Rechnungen mit den Mördern zu begleichen und die zukünftige Sicherheit der Bürger Israels zu gewährleisten“.

Der höchstrangige Hamas-Anführer im Ausland, Chalil al-Haja, soll den israelischen Angriff überlebt haben. Ein Sohn sowie der Büroleiter seien aber getötet worden, sagte ein Hamas-Mitglied dem katarischen Nachrichtenkanal Al-Dschasira. Bei dem Angriff wurden laut der Hamas sechs Menschen getötet, darunter aber kein Mitglied ihres Verhandlungsteams. Die Terrororganisation bezeichnete den Angriff als „gescheitert“. Das katarische Innenministerium teilte mit, eine Sicherheitskraft sei getötet, mehrere verletzt worden.

Das Weiße Haus erklärte, Katar vor dem Angriff gewarnt zu haben. Der US-Präsident habe nach dem Vorfall zudem mit dem Emir sowie dem Regierungschef telefoniert, sagte eine Sprecherin. „Er hat ihnen versichert, dass sich so etwas auf ihrem Boden nicht noch einmal wiederholt.“ Katars Außenministerium widersprach der Darstellung. Ein US-Regierungsvertreter habe erst angerufen, als die Explosionen bereits zu hören waren.

Katar verurteilte den Angriff als „eklatanten Verstoß gegen alle internationalen Rechte und Normen“. Man setze vorerst seine Rolle als Vermittler zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Krieg aus. Es ist der erste militärische Angriff auf das Golfemirat seit dessen Unabhängigkeit vor mehr als 50 Jahren. Katar ist ein Verbündeter der USA und beheimatet mit dem Luftwaffenstützpunkt Al-Udaid die größte US-Militärbasis im Nahen Osten.

Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir lobte den Angriff als „historische“ Entscheidung. „Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, kehre nicht um, bis ich sie vernichtet habe“, zitierte er aus der Bibel. Israel hatte in der jüngeren Vergangenheit mehrfach mit Angriffen auf im Ausland lebende Hamas-Funktionäre gedroht.

Jordanien nannte den Angriff eine „feige Aggression“, die gegen das Völkerrecht verstoße. Saudi-Arabien sprach von einem eklatanten Verstoß gegen Katars Souveränität und warnte vor „schwerwiegenden Folgen“ von Israels Angriffen für die Region. Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten, solidarisch und fest an der Seite Katars zu stehen. Auch Ägypten, der Irak, Oman, Kuwait sowie die Arabische Liga verurteilten den Angriff Israels in Katars Hauptstadt Doha.

UN-Generalsekretär António Guterres und auch Bundesaußenminister Johann Wadephul kritisierten den Angriff ebenfalls als Verletzung der territorialen Souveränität Katars. Er gefährde „auch unser aller Bemühungen zur Freilassung der Geiseln“, sagte Wadephul.

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