Neustart in New York

von Redaktion

Nächste Station: Vereinte Nationen. Baerbock startet offiziell ihren UN-Job. © Instagram

München – Annalena Baerbock weiß offenbar, wie echte New Yorker in den Tag starten. „Mit Kaffee und einem Frischkäse-Bagel“, sagt sie, während sie genau das in den Händen hält und in die Kamera grinst. Die ehemalige Außenministerin (Grüne) scheint sich also gut eingelebt zu haben.

Es ist der zweite Clip, den die 44-Jährige aus Big Apple postet. „In meiner neuen Rolle nehme ich euch mit, hinter die Kulissen zu schauen von Außenpolitik und Diplomatie“, verkündet sie und spaziert durch ihren Lieblings-Bagel-Laden. Offensichtlich fährt Baerbock einen neuen Kurs, fast wie eine Öffentlichkeits-Offensive. In einem weiteren Video winkt sie, angelehnt an die Kult-Serie „Sex and the City“, ein typisch gelbes Taxi her und setzt ihre High Heels in Szene. Betont nahbar und locker gibt sie sich als zugezogene New Yorkerin, die Englisch spricht, aber gleichzeitig versichert: „Der deutsche Akzent bleibt.“

Doch ihre neue Position ist nicht etwa englischsprachige Influencerin, sondern Präsidentin der UN-Vollversammlung. Im Juni war Baerbock mit 167 von 193 Stimmen und trotz eines russischen Störmanövers gewählt worden. Am Dienstagabend übernahm sie offiziell die Geschäfte von ihrem Vorgänger Philemon Yang, dem Ex-Premierminister von Kamerun, für ein Jahr.

Nach ihrer Vereidigung (mit einer Hand über der Original-Charta der Vereinten Nationen) übergab Yang ihr den Holzhammer, mit dem Sitzungen eröffnet und geschlossen werden – und den Baerbock gleich ausprobierte. „Ich bin dankbar und fühle mich sehr geehrt“, sagte Baerbock in New York. „Auf der Original-Charta vereidigt zu werden, erinnert uns daran, was die Welt zusammen erreichen kann, aber wenn man in Richtung Gaza, Ukraine, Sudan oder Haiti schaut, dann werden wir auch daran erinnert, wie oft wir schon dabei gescheitert sind, diese Versprechen zu erfüllen.“ Die UN stünden unter finanziellem und politischem Druck. „Unsere Aufgabe ist es, acht Milliarden Menschen zu zeigen, warum diese Organisation noch von Bedeutung ist.“ Auch grüne Themen dürften dabei eine Rolle spielen.

Mit Blick auf Israels Militäraktion in Katar sagte Baerbock: „Die Eskalation von heute ist offensichtlich besorgniserregend. Die Souveränität und territoriale Integrität aller Mitgliedstaaten muss respektiert und darf von keinem Mitgliedstaat verletzt werden.“

Die Bundesregierung hatte ursprünglich die deutsche Spitzendiplomatin Helga Schmid für den Posten vorgesehen, diese hatte sogar auch die Zustimmung von Russland sicher. Doch Baerbock setzte sich durch und erntete Kritik. Während Baerbock als erste Frau deutsche Außenministerin war, ist sie jetzt die fünfte Frau, die an der Spitze der UN-Vollversammlung steht.

Diese Position ist in erster Linie von protokollarischer Bedeutung und nicht mit der Rolle von UN-Generalsekretär António Guterres zu verwechseln, der sich immer wieder stark politisch äußert. Als Präsidentin wird Baerbock die Sitzungen der Generalversammlung leiten, Abläufe und Tagesordnungspunkte festlegen. Ihre erste Feuerprobe steht schon Ende September an – bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung mit Staatsgästen aus aller Welt. Allerdings haben die Entscheidungen der Generalversammlung oft eher symbolischen Wert und gelten als weltweites Stimmungsbild.

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