KOMMENTAR

Trump inszeniert sich als Retter und spaltet

von Redaktion

Einsätze gegen Gewalt in Chicago

283 Morde in den letzten neun Monaten, 2132 Fälle von Waffengewalt im letzten Jahr – die bloßen Zahlen in Chicago offenbaren eine erschreckende Realität. Das weiß selbst Brandon Johnson, Bürgermeister der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt. In der „New York Times“ gesteht er ehrlich ein: „Solange es eine Familie gibt, die einen geliebten Menschen durch Waffengewalt verliert, haben wir noch viel zu tun.“

Ein gefundenes Fressen für US-Präsident Donald Trump. In vordergründiger Sorge über die nicht zu bändigende Kriminalität schickt er die Einwanderungsbehörde ICE nach Chicago und droht dazu mit einem Militäreinsatz. Illegale Migranten in Demokraten-Städten sollen so als Sündenböcke herhalten, damit sich der Republikaner als großer Retter aus dem Weißen Haus inszenieren kann. Wissentlich ignoriert Trump die Komplexität krimineller Milieus – Armut, Arbeitslosigkeit, fehlende Gesundheitsversorgung, schlechte Bildungschancen. Jahrzehntelange Versäumnisse eines Einwanderungslandes, die nicht mal eben mit dem Razzia-Vorschlaghammer zerschlagen werden können. Auch die Nationalgarde kann da nichts ausrichten.

Statt mit einem geradlinigen Wirtschafts-Kurs den US-Arbeitsmarkt zu stabilisieren, oder das laxe Waffenrecht nur zu erwähnen, instrumentalisiert Trump lieber Gewalttaten und spaltet damit weiter.LEONIE.HUDELMAIER@OVB.NET

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