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Verbrenner-Aus: Einmal zum Mond und zurück

von Redaktion

Europa erkennt seinen Irrweg

Während die Autokraten in Moskau und Peking schon lange an ihren Plänen zur Erlangung ihrer Weltdominanz tüftelten, ritten die Europäer in Brüssel noch hingebungsvoll ihre ideologischen Steckenpferde. Der „Green Deal“, so schwärmte 2019 die deutsche EU-Chefin von der Leyen, sei der europäische Mondlandungs-Moment. Krönen sollte ihn das 2023 verabschiedete EU-Verbrenner-Verbot ab 2035. Inzwischen ist das von Russlands Krieg und Chinas Marktimperialismus umzingelte Europa tatsächlich auf, besser hinterm Mond gelandet mit seiner Bürokratie, seinem Dirigismus und seiner Hybris. Nicht nur maßte sich die Politik an, besser zu wissen als Ingenieure und Unternehmen, wie man umweltfreundliche Autos baut. Auch die Idee, Europa könne in einem historisch einmaligen Kraftakt das Weltklima retten, erwies sich als verwegen. Ebenso die Annahme, die Verbraucher würden trotz löchriger Ladeinfrastruktur nun in Massen E-Autos kaufen. Als Europas klamme Regierungen aufhörten, den Kauf der Autos mit Steuerzahlermilliarden zu subventionieren, brach auch der Absatz ein.

Wie sehr man sich im grünen Wirtschaftswunderland Deutschland inzwischen verabschiedet hat von Habecks Märchen, zeigt die Münchner Mobility-Messe IAA: Beherrscht werden die Debatten von der Forderung des Kanzlers nach „Technologieoffenheit“, von Markus Söders Rütteln am Verbrenner-Aus und der Warnung von BMW-Chef Zipse, dass ein Festhalten an den EU-Vorgaben die ohnehin schwer gebeutelte Autoindustrie um die Hälfte schrumpfen ließe. Wer verhindern will, dass China mit seinen Billig-E-Autos den Markt überschwemmt, muss die Innovationskraft europäischer Hersteller entfesseln und ihnen erlauben, klimafreundliche Antriebe jenseits der reinen Elektromobilität zu entwickeln, etwa Plug-in-Hybride.

In der schwarz-roten Koalition bahnt sich damit vor dem großen Autogipfel im Oktober der nächste Streit an. Von einer Abkehr vom Verbrenner-Aus will die SPD nichts wissen. Zur Ankurbelung des E-Auto-Absatzes verlangt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil lieber neue Kaufprämien. Wo der Herr der Finanzlöcher die dafür nötigen Milliarden herzaubern will, bleibt vorerst aber noch sein Geheimnis.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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