Der Kampf um Olympia

von Redaktion

Drei für die Spiele: Bayerns Innen-und Sportminister Joachim Herrmann (CSU), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). © Marcus Schlaf

München – Markus Söder hat kürzlich Zahlen von seinem Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vorgelegt bekommen. In der internationalen Rangliste der bedeutendsten Sportstätten liege München, wo es 1972 schon einmal olympische Sommerspiele gab, auf Platz sieben – „als einzige deutsche Stadt unter den ersten zehn“, erzählt Söder. „Berlin liegt um 35, Hamburg knapp unter 80 und Köln nicht mal unter den ersten hundert“. Es gebe also „Super-Argumente“ für eine olympische Neuauflage in der Landeshauptstadt, führt der Ministerpräsident nach der Vorstandssitzung seiner CSU am Montag aus. Er glaube, auch ein Großteil der Bürger sei dafür. Und mit München ins Rennen zu gehen, biete obendrein die besten Siegchancen für Deutschland. Denn es haben ja auch noch andere Großstädte Interesse an einer Bewerbung. Nämlich Berlin, Hamburg und ein Zusammenschluss aus der Rhein-Ruhr-Region, zu dem unter anderem – genau – Köln gehört.

Am 26. Oktober stimmen die Münchner darüber ab, ob sich ihre Stadt für Olympia 2036, 2040 oder 2044 bewerben soll – oder nicht. Die Briefwahl läuft bereits. Und in diesem Fall sind Söder und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) – sonst keine natürlichen Verbündeten – einer Meinung: Die Spiele sollen kommen.

Auch die SPD-Landtagsfraktion unterstützt eine Bewerbung. Und selbst die in Fragen wie diesen tendenziell eher skeptische Grünen-Fraktion im Maximilianeum ist für eine Bewerbung. Das Konzept der Stadt finde man recht überzeugend, weil es „ohne Luftschlösser auskommt, sondern zu einem überragenden Teil auf vorhandene Sportstätten und Infrastruktur zurückgreift“, sagt der sportpolitische Sprecher Max Deisenhofer unserer Zeitung. Man werde sich aber klar am Votum der Bürger orientieren. „Nur wenn die Leute, die hier leben, es wollen, können Olympische und Paralympische Spiele ein nachhaltiger Erfolg für alle werden“, sagt Deisenhofer.

Doch es gibt auch eine gewichtige Ausnahme bei den Landtags-Grünen. Parlamentsvizepräsident Ludwig Hartmann weicht nicht nur von der Fraktion ab, er hat sich dem Bündnis angeschlossen, das aktiv gegen Olympia in München kämpft. Hartmann befürchtet unter anderem einen schlampigen Ausbau des Nahverkehrsnetzes unter Zeitdruck, der hohe Kosten und eine hohe Belastung für die Bürger bedeute, sowie Knebelverträge des Internationalen Olympischen Kommitees (IOC).

Tatsächlich ist der Aufwand auch für die Sommervariante nicht unerheblich: Nicht nur Wohnungen für die Athleten müssten geschaffen werden, auch die U-Bahn müsste ausgebaut werden. Die Schätzungen für die Durchführungskosten beginnen – je nachdem, wen man fragt – bei 4,5 Milliarden Euro, sind letztlich aber kaum genau vorauszusagen. Allein für die Bewerbung setzt Reiter sechs bis sieben Millionen Euro an – manche halten das für zu niedrig.

„München soll für die Zukunft der Münchnerinnen und Münchner geplant werden, nicht für das Programm von IOC-Funktionären, die für 14 Tage kommen und dann wieder verschwinden“, sagt Kritiker Hartmann unserer Zeitung. Einen innerparteilichen Erfolg hat der Olympia-Gegner im Juli bereits eingefahren. „Ich bin froh und vor allem erleichtert, dass sich meine Partei auf dem Münchner Stadtparteitag nicht hinter die Olympiabewerbung von München gestellt hat.“ Dass er damit von der Fraktion abweicht, scheint ihm keine schlaflosen Nächte zu bereiten. „Ich bin ein durch und durch politischer Mensch und immer bereit, für meine Überzeugungen öffentlich einzutreten und weitsichtige Lösungen anzubieten – auch wenn sie gerade nicht Mainstream sind“, sagt Hartmann.

Die Befürworter erwarten hingegen einen langfristigen Ertrag. Der Oberbürgermeister verspricht sich unter anderem in den Jahren danach neuen, bezahlbaren Münchner Wohnraum. Die Landtags-Grünen stellen „deutliche Impulse für den Breitensport und den dringend nötigen Ausbau unserer öffentlichen Infrastruktur“ in Aussicht. Und die CSU will sogar mit eigenen Plakaten für ein „Ja“ der Münchner werben.

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