Knapp gesiegt: CDU-Kandidat Alexander Kalouti. © dpa
Dortmund/München – Es war ein mäßig freundlicher Empfang. Alexander Omar Kalouti sei „ein Kandidat der zweiten Reihe“, und außerdem „umstritten“, schrieben die „Ruhr Nachrichten“. Dem Bewerber der CDU wurde eine geringe Chance zugeschrieben, die Oberbürgermeisterwahl in Dortmund zu gewinnen. Auch die Geschichte sprach gegen ihn: Seit 80 Jahren herrscht in der 615 000-Einwohner-Stadt die SPD. Nun, seit Sonntagabend ist das anders: Kalouti hat überraschend die Stichwahl gegen den amtierenden SPD-OB gewonnen, 52,92 Prozent. Zur Erinnerung: In Wahlgang 1 lag Kalouti bei 17 Prozent.
Jetzt regiert ein Hauch Bayern im Pott. Kosmopolit Kalouti, 1968 in Beirut geboren, Vater aus Jerusalem, Mutter aus Brandenburg, verbrachte wichtige Jahre seiner Polit-Laufbahn in Oberbayern. Er war Wahlkampfmanager und dann persönlicher Referent von Vize-Ministerpräsident Martin Zeil (FDP), später auch FDP-Kreisvorsitzender in Ingolstadt. Als „jemanden, der politisch denken und formulieren kann“, beschreibt ihn Zeil. Er habe dem Chef ehrlich die Meinung ins Gesicht gesagt. „Er hat mir auch widersprochen.“ 2011 wechselte Kalouti in den Mitarbeiterstab der Bundestagsfraktion, flog 2013 mit der gesamten Fraktion raus.
2017 brach er mit der FDP, erzürnt über die Asylrhetorik von Christian Lindner. Kalouti sagte mal den „Ruhr Nachrichten“, er habe selbst viele Jahre Rassismus erlebt. In seiner Zeit als Marine-Soldat stand an der Toilettenwand „Juden und Kalouti vergasen“.
In Dortmund mit einem sehr hohen Migrationsanteil von fast 40 Prozent hat Kalouti, seit zwei Jahren verwitwet, jetzt eine Heimat, zuletzt ein Jahrzehnt als Leiter der Pressestelle beim Dortmunder Theater. Sicherheit, Sauberkeit, mehr Wirtschaftsdynamik versprach er im Wahlkampf.
Für die CDU ist Kaloutis Erfolg vom Sonntagabend einer von vielen, aber wohl der spektakulärste, weil unerwartet. In Düsseldorf gegen die Grünen und in Hagen gegen die AfD gelangen höhere Siege, in Bonn wurde eine grüne Amtsinhaberin abgelöst. Die SPD tröstet sich damit, Köln zurückgeholt und Bochum behalten zu haben. Bei den NRW-Genossen überwiegt, wohl auch wegen Kalouti, eine gewisse Nachdenklichkeit. SPD-Landeschefin Sarah Philipp sagte am Montag: „Wir haben verstanden, dass wir Teile unseres Stils und unserer Programmatik korrigieren müssen, um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen.“ CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER