Eine saftige Preiserhöhung wäre Bahnfahrern angesichts der vielen Missstände im Fernverkehr nicht zu vermitteln. Das hat die neue Bahnchefin Evelyn Palla wohl eingesehen und verzichtet auf die sonst übliche Verteuerung der Tickets. In der Vergangenheit war die Preispolitik oft nicht so zurückhaltend. Gerade die treuesten Kunden wurden am stärksten zur Kasse gebeten.
Doch gerade diese Kunden, die mit den kostspieligen Flextickets unterwegs sind, haben sich angesichts der geringen Zuverlässigkeit zurückgezogen. Zurückholen kann Palla sie nur, wenn die Qualität wieder akzeptabel ist. Und das wird dauern. Stabile Preise bewirken vielleicht, dass sich nicht noch mehr Fahrgäste nach einem besseren Transportmittel umsehen.
Allerdings drängt sich die Frage auf, wie der Fernverkehr aus der Verlustzone kommen soll, wenn Kosten stärker steigen als Einnahmen. Das legt die Vermutung nahe, dass an anderen Stellen der Rotstift angesetzt wird. Naturgemäß werden derlei Botschaften nicht sehr aktiv verbreitet.
Abgesehen von dieser Unsicherheit scheint Palla auf dem richtigen Weg zu sein. Mehr Orientierung an den Wünschen der Kunden, mehr Qualität dort, wo es schnell umsetzbar ist, weniger Bürokratie und kürzere Entscheidungswege. So kann zumindest auf längere Sicht der Koloss Bahn zu einem effizienten Dienstleister werden. REDAKTION@OVB.NET