Nicht nur ehemalige CDU-Chefs (oder besser Chefinnen) drängt es in die Öffentlichkeit. Auch in der CSU sahen mit Horst Seehofer und Erwin Huber jetzt zwei Altvordere Anlass für eine öffentliche Abrechnung mit ihrem Nachfolger Markus Söder. „Kurzsichtig“, „falsch“, eine „strategische Fehlentscheidung“ sei dessen strikte Koalitionsabsage an die Grünen gewesen.
Mal abgesehen davon, dass solche Debatten besser in den dazu berufenen Parteigremien geführt werden sollten: So, wie sich die Grünen nach dem Ampel-Aus und dem Abgang ihres Realo-Häuptlings Robert Habeck (und in Bayern Ludwig Hartmann) neu aufgestellt haben, gibt es auch inhaltlich nur noch wenig Schnittmengen. In Wahrheit liefern sich die Grünen heute einen Überbietungswettlauf nach linksaußen mit der wieder erstarkten Linkspartei. Symptomatisch war die Reaktion von Britta Haßelmann auf das verdiente Aus fürs Bürgergeld. Union und SPD nähmen den Menschen „alles“, was sie zum Leben bräuchten, wehklagte die grüne Co-Fraktionschefin. Das ist angesichts des unübersehbaren Missbrauchs der Stütze so unterkomplex wie das eiserne Festhalten der Grünen an einer längst gescheiterten Asylpolitik.
Wie verhasst die Union vielen Grünen-Politikerinnen in Wahrheit ist, verriet das auf Söder gemünzte „Hundesohn“-Zitat der Ex-Chefin der grünen Jugend, das in der Partei nicht etwa auf lauten Widerspruch, sondern nur auf apathisches Schweigen stieß. Und glaubt ernsthaft wer, dass die bayerische Staatsregierung sich auch dann binnen einer Woche auf eine Entscheidung zum Drohnenabschuss einigen hätte können, wenn statt der Freien Wähler die Grünen im Kabinett sitzen würden?GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET