Würzburg – Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) zieht zum Jahresende eine positive Bilanz – obwohl ihre Kasse ein Defizit von vier Milliarden Euro verzeichnet. 2025 nahm die DRV rund 417 Milliarden Euro ein, gab jedoch 421 Milliarden aus. Noch können Rücklagen die Lücke schließen, doch die schmelzen laut Prognosen dahin. Ist die Untergrenze der sogenannten Nachhaltigkeitsrücklage erreicht, steigt der Beitragssatz. „Dies wird nach der aktuellen Vorausberechnung im Jahr 2028 der Fall sein“, sagte der Vorsitzende des DRV-Bundesvorstands, Alexander Gunkel, gestern in Würzburg.
Beitragszahler müssen demnach von einem Anstieg um 1,2 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent ausgehen. Derzeit liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Dieser „sehr heftige“ Sprung wäre der erste Anstieg seit 2007, so Gunkel. Ursache für die Erhöhung seien die Rentenpläne der Bundesregierung, die unter anderem vorsehen, die gesetzliche Untergrenze der Nachhaltigkeitsrücklage von 0,2 auf 0,3 Monatsausgaben der Rentenversicherung anzuheben. Diese Rücklage dient als finanzieller Puffer, um die Rentenzahlungen auch dann zu sichern, wenn die Einnahmen kurzfristig schwanken.
Gunkel begrüßte, dass die Liquidität der Rentenkasse damit gestärkt werde, kritisierte jedoch die Finanzierung: Trotz der prognostizierten Beitragserhöhung im Jahr 2028 ist kein Bundeszuschuss an die DRV vorgesehen. Eine Sonderregelung im Rentenpaket setze den Ausgleichsmechanismus außer Kraft, sodass die Erhöhung allein von Beitragszahlern und Rentnern getragen werde.
„Diese Vorgehensweise des Gesetzgebers, bestehende Regeln zur Lastenverteilung außer Kraft zu setzen, um die eigenen Finanzen zu Lasten der Rentenversicherung zu schönen“, lehne die DRV ab. Die Pläne sollten vor dem erwarteten Beschluss des Rentenpakets im Dezember noch korrigiert werden, verlangte Gunkel.
Aufgrund des demografischen Wandels geht Gunkel davon aus, dass der Beitragssatz auch nach 2028 steigen wird. „Der größte Teil des Anstiegs um insgesamt zwei Prozentpunkte auf 20,6 Prozent wird bis zum Jahr 2032 erwartet.“
Insgesamt kommt laut Gunkel bis zum Jahr 2030 ein „überproportionaler Ausgabenanstieg“ auf die DRV zu. Dahinter steckt eine ganze Reihe von Entwicklungen: Weil die Löhne steigen, klettern auch die Renten. Gleichzeitig wächst die Zahl der Empfänger – und ab 2027 treten aufgrund der Mütterrente III auch die Mütter mit vor 1992 geborenen Kindern in den Kreis der Anspruchsberechtigten.
Trotz der wachsenden Belastung der DRV können die rund 21 Millionen Rentner kommendes Jahr auf höhere Überweisungen hoffen. Die Bezüge sollen nächsten Juli um rund 3,7 Prozent steigen (wir berichteten). „Sollte die Inflationsrate wie erwartet bei 2,1 Prozent liegen, wird die Kaufkraft der Renten auch im kommenden Jahr spürbar steigen“, sagte Gunkel. Zugleich warnte er: „Noch sind das alles Prognosen.“ Denn erst im kommenden Frühjahr stehe die genaue Höhe der Rentenanpassung fest.