Die „USS Gerald R. Ford“ ist der größte Flugzeugträger der Welt. © Gambarini/imago
München – Es sind neue Zeiten in Washington. Pete Hegseth fühlte sich am Freitag offenbar bemüßigt, darauf noch einmal hinzuweisen. Auf X postete er ein etwas älteres Video, wie er ein neues Schild am Pentagon anbringt. „Department of War“ steht darauf. Kriegsministerium. Kurz zuvor hatte er eine neue Mission der US-Armee angekündigt: „Southern Spear“ (Südlicher Speer) verteidige „unser Heimatland, beseitigt Narko-Terroristen aus unserer Hemisphäre und schützt unser Heimatland vor Drogen, die unsere Bevölkerung töten.“ Es gehe um „Amerikas Nachbarschaft“, die man schützen werde. Donald Trump habe Aktion eingefordert, das Kriegsministerium liefere, schrieb Hegseth stolz.
In Lateinamerika löst das Auftreten der Trump-Regierung inzwischen große Besorgnis aus. Denn den Kampf gegen Drogendealer hat Washington schon vor Wochen intensiviert. Seit September sind bei US-Angriffen in internationalen Gewässern in der Karibik und im Pazifik nach US-Angaben mindestens 80 Menschen getötet und 21 Boote zerstört worden. Offen bleibt dabei, ob die Boote tatsächlich Drogen beförderten und ob es sich bei den Toten tatsächlich um Kriminelle handelte. Beweise blieb Washington schuldig.
Doch jenseits dieser Aktionen haben die USA in den letzten Tagen ihre Militärpräsenz in der Region massiv ausgebaut. Anfang der Woche erreichte die „USS Gerald R. Ford“, der größte Flugzeugträger der Welt, die Karibik. Das von einem Atomreaktor angetriebene Schiff ist 333 Meter lang und bietet Platz für bis zu 90 Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie bis zu 5000 Soldaten. Das wäre ein ziemlich großes Geschütz für den Kampf gegen ein paar Schmugglerboote.
Beobachter schließen deshalb nicht aus, dass mit der neuen Mission etwas Größeres geplant ist. Rückt Venezuela und vor allem Präsident Nicolás Maduro persönlich ins Blickfeld? Der venezolanische Präsident steht auf der „Wanted“-Liste der USA. Die Trump-Regierung verdoppelte die Belohnung für Informationen, die zu seiner Festnahme führen, auf bis zu 50 Millionen Dollar. Vorgeworfen wird ihm, tödliche Drogen und damit auch Gewalt in die USA zu bringen. Dabei gilt Venezuela eigentlich nicht als Produktionsland von Drogen, sondern als Transitland – und das vor allem für den europäischen Markt. In die USA gelangen die Drogen meist auf anderen Wegen: Das synthetische Opioid Fentanyl, das zu massiven Problemen geführt hat, wird mit Rohstoffen aus China vor allem in Mexiko hergestellt und von dort in die Vereinigten Staaten geschmuggelt.
Trotzdem ist vor allem Venezuela im Blickfeld der USA. Außenminister Marco Rubio bezeichnete Maduro als „Flüchtling vor der amerikanischen Justiz“ und Anführer „einer terroristischen Vereinigung“, die ein ganzes Land übernommen habe. Hinzu kommen politische Bedenken, weil das sozialistische Caracas zum Stützpunkt Moskaus und Teherans in Lateinamerika geworden ist. Natürlich weiß man auch in Washington, dass es nach internationalem Recht illegal wäre, ohne die Zustimmung der Regierung oder die Genehmigung des UN-Sicherheitsrats in einem anderen Land Gewalt anzuwenden. Die US-Regierung unter der Biden-Administration hat jedoch Edmundo González als legitimen Gewinner der Wahl 2024 anerkannt. Der Oppositionskandidat lebt inzwischen im spanischen Exil. Sollte also González eine Intervention befürworten, könnte Trump dies als Zustimmung werten. So spekulierte jedenfalls unlängst die „New York Times“.
In Caracas nimmt man die Bedrohung offenbar sehr ernst. Diese Woche führte Venezuela ein Großmanöver durch – mit fast 200 000 Einsatzkräften. Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez sprach von einer „imperialistischen Bedrohung“.(MIT DPA)