Deutschland startet seine Drohnen-Abwehr

von Redaktion

„Können uns keine tagelangen Debatten leisten“ – Herrmann will bessere Abstimmung mit dem Bund

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der neuen „Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei“. © dpa

Potsdam/München – Die deutsche Drohnen-Abwehr kommt allmählich in Fahrt. Kurzfristig soll der Schutz der Flughäfen ausgebaut werden. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft sollen prioritär die Flughäfen München, Frankfurt, Köln/Bonn, Berlin-Brandenburg, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart mit neuer Abwehrtechnik ausgerüstet werden. Das verlautete bei einem Besuch von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Bundespolizei.

Dort werden die Kapazitäten zur Abwehr von Drohnen erheblich wachsen. Eine neue Einheit, die unbemannte Luftfahrzeuge aufspüren, abfangen und gegebenenfalls auch abschießen soll, hat Dobrindt jetzt in Dienst gestellt. Die neue Einheit, in der Anfangsphase rund 60 Bundespolizisten, soll rasch auf 130 Spezialkräfte hochgefahren werden. Sie soll unter anderem KI-gestützte Störsysteme und automatische Abfangdrohnen einsetzen. Außerdem soll die neue Einheit in Amtshilfe die Landespolizeien unterstützen, wenn dies nötig ist. Gut 100 Millionen Euro sind für 2025 und 2026 eingeplant, in Bayern zusätzlich 50 Millionen. Dobrindt hat auch die Einrichtung eines Drohnenabwehrzentrums angekündigt, in dem bundesweite Lagebilder erstellt werden sollen.

Die Drohnenabwehr wird ein großes Thema der Innenministerkonferenz diese Woche in Bremen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der Erfahrenste in der Runde, fordert die Kollegen dringend auf, alle Eifersüchteleien und Kompetenz-Streitigkeiten sein zu lassen. „Entscheidend wird sein: Wir müssen unsere gesamte Sicherheitsarchitektur verändern. Wir haben in Deutschland eine zu strikte Trennung zwischen Länderpolizeien, Bundespolizei und Bundeswehr“, sagte er unserer Zeitung. „Wir müssen innerhalb von Sekunden beurteilen, ob da ein Spinner eine Drohne über den Flughafen schickt für ein paar Luftbilder, ob es ein Drogenkurier ist, ein von Russland gesteuerter Späh-Angriff oder sogar eine Drohne mit Sprengstoff. Wir können nicht den halben Tag damit verbringen herauszufinden, wer im konkreten Fall zuständig ist, eine Drohne abzuschießen.“

Es brauche eine umfassende Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden statt Doppelstrukturen. „Wir brauchen deshalb klare Absprachen mit dem Bund und eine hundertprozentig gemeinsame Lagefeststellung durch Experten, die gemeinsam in einem Raum sitzen – ohne Geheimnisse voreinander und Kompetenzstreit.“

Für die Drohnen-Abwehr gibt es mehrere Methoden, darunter Abfangdrohnen mit Netzen, Rammdrohnen oder auch Jammer, die Steuerungssignale blocken und feindliche Drohnen so zum Absturz bringen. Für die großen Verkehrsflughäfen soll die Bundespolizei zuständig sein, für den Abschuss in großer Höhe ausschließlich die Bundeswehr. Herrmann rechnet mit einer Einigung der Konferenz.C. DEUTSCHLÄNDER, A. CLASMANN

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