Lässt sich feiern: Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro am Montag in Caracas. © Barreto/afp
München – Für jemanden, dessen politisches Ende angeblich nahe ist, wirkt Nicolás Maduro ziemlich unbeschwert. Montag in Caracas: Elektromusik wummert, Venezuelas Machthaber tanzt dazu auf einer Bühne, seine Anhänger jubeln. Das Land habe jetzt 22 Wochen „psychologischen Terror“ hinter sich, ruft Maduro. Aber er werde keinen „Sklavenfrieden“ akzeptieren. Es ist seine Antwort auf ein Ultimatum aus Washington. Noch könne er sich retten, soll Donald Trump ihm am Telefon gesagt haben. Dafür müsse er sofort das Land verlassen.
Die Frist soll vergangenen Freitag abgelaufen sein. Maduro aber ist noch da – Gleiches gilt für das US-Militär, das seit Wochen Kräfte in der Karibik zusammenzieht: Kriegsschiffe, darunter der weltgrößte Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, F-35-Kampfjets, bewaffnete Drohnen, dazu tausende Soldaten. Schon das Aufgebot zeigt: Allein um den Kampf gegen Drogenschmuggler, mit dem Washington zu Beginn argumentiert hatte, kann es nicht mehr gehen.
Tatsächlich macht die US-Regierung aus ihrer Absicht kaum mehr ein Geheimnis. Maduro, der das verarmte Land seit 2013 autoritär führt, soll gehen. Der „Miami Herald“ berichtete zuletzt, er sei bereit dazu gewesen, habe aber Bedingungen gestellt: völlige Straffreiheit für ihn, seine Familie und rund 100 venezolanische Regierungsmitglieder. Trump lehnte demnach ab.
Nun steht die Frage im Raum, ob Washington die Spannungen weiter eskaliert. Am Montag rief der US-Präsident seinen Sicherheitsstab zusammen, darunter Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio, um über Venezuela zu beraten. Ergebnisse wurden nicht bekannt.
Südamerika-Kenner halten eine US-Bodenoffensive für eher unwahrscheinlich. Dazu sei die Truppenpräsenz zu gering, um eine „effektive Invasion“ durchzuführen, sagte Jesus Renzullo vom Hamburger GIGA-Institut der ARD. Dafür brauche es 100 000 Soldaten. Auch Lateinamerika-Experte Günther Maihold von der FU Berlin glaubt nicht an eine Bodenoffensive, verweist auf die schiere Größe des Landes und die massive Verbreitung von Waffen in der Bevölkerung. Wahrscheinlicher seien weitere Luftschläge. Das bisherige Vorgehen Washingtons hält er für einigermaßen „planlos“.
Tatsächlich richten sich die Angriffe bisher ausschließlich gegen Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler. Mehr als 20 wurden bisher gezielt versenkt, mindestens 83 Menschen starben. Kritik trifft vor allem US-Verteidigungsminister Hegseth. Er soll bei einem der ersten Angriffe befohlen haben, alle Bootsinsassen zu töten, was dazu führte, dass das US-Militär zwei Überlebende nachträglich eliminierte. Hegseth bestreitet die Vorwürfe, Trump stellt sich bisher vor ihn.
Was genau den US-Präsidenten jenseits des Regimewechsels antreibt, bleibt rätselhaft. Maduro behauptet, Trump gehe es um den Zugriff auf Venezuelas Ölreserven. Das ist einerseits die übliche Regime-Erzählung, andererseits aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Das Interesse am Öl sei jedenfalls da, sagt Maihold. Mit einer Invasion riskierte Trump aber zugleich Unruhe in seiner MAGA-Bewegung, die langfristige Militär-Abenteuer ablehnt.
Das „Wall Street Journal“ schreibt von einer „hochriskanten Konfrontation“ zwischen beiden Präsidenten: Maduro will nicht weichen, Trump nicht ohne zählbaren Erfolg abziehen. Auch bei den US-Demokraten wachsen die Sorgen. Fraktionschef Chuck Schumer erklärte vorsorglich: „Die Macht, einen Krieg zu erklären, liegt ausschließlich in den Händen des Kongresses – nicht bei Donald Trump.“