Politiker nennen so etwas ein „ehrliches Ergebnis“. 2023 hatte sich Markus Söder kurz vor der Landtagswahl der Parteibasis gestellt, da wollte niemand den Spitzenkandidaten beschädigen. Ergebnis: 96,6 Prozent. Diesmal also eine Abstimmung ohne disziplinierenden Druck. Trotz einer fulminanten Rede gibt es maue 83,6 Prozent. Ein Ergebnis, das sich Lars Klingbeil in wilden Nächten wohl auch von der SPD erträumt.
Es hat sich in der CSU einiges angestaut. Die One-Man-Show geht manchen auf die Nerven, auch der nach Innen oft harte Führungsstil oder die penetranten Lobhudeleien des Generalsekretärs für den eigenen Chef. Andere störte, dass der verhinderte Kanzlerkandidat die Lust an der Landespolitik zu verlieren schien. Aber es wirkte, als bekomme Söder die Kurve: Gerade bei den Jungen kam an, wie er aller Verlockungen zum Trotz an der soliden Haushaltspolitik festhielt, mit dem Bayern in zwei Jahrzehnten sehr gut gefahren ist.
In Berlin fällt die CSU-Bilanz gespalten aus. Die besten Noten bekommt der beim Parteitag laut beklatschte Alexander Dobrindt, der wie versprochen eine Wende in der Asylpolitik vollzog, aber jeder Versuchung widerstand, dies mit populistischen Sprüchen zu garnieren. Zugleich aber bleibt die erhoffte Wende in der Wirtschaftspolitik bislang aus. Dafür geben sie in der CSU der SPD die Schuld, auch mit dem Kanzler hadern einige. Nur: Wenn sich dauerhaft nichts tut, wird das auch für Söder zum Problem.
Der CSU-Chef hat verstanden, dass er selbst sich zurückhalten muss. So gut er das halt kann. Auch am Freitag verzichtete er, seriös mit Krawatte, auf alle Sticheleien. Stattdessen lieferte er Optimismus und Rückendeckung für Friedrich Merz. Er wollte dem Kanzler quasi eine Scheibe seiner Stärke abgeben. Doch der tosende Applaus stand im krassen Gegensatz zu den 104 Nein-Stimmen, die alle überraschten. Söder wird seinen Führungsstil hinterfragen müssen.