WIE ICH ES SEHE

Schüttel-Reimen im Advent

von Redaktion

„Weihnachten kommt immer zur Unzeit, das war schon bei der ersten Weihnacht so …“ Diesen Ausspruch von Dr. Georg Bätzing, Bischof zu Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, schickt mir ein Freund aus Düsseldorf in diesen Tagen als Weihnachtsgruß. Zu meinen Weihnachtssendungen gehört aber auch ein Büchlein mit Schüttelreimen, gedichtet von dem langjährigen Vorstand der Deutschen Bank, Clemens Plassmann (1894 – 1970). Seine Tochter verbindet damit ihre Weihnachtskarte, obwohl sie weiß, dass die Kunst des Schüttelreimens etwas aus der Mode gekommen ist. Zu Unrecht muss der sagen, der wie ich das längst vergriffene Büchlein durchblättert.

Schüttelreime sind eine spezielle Form des Wortspiels in der deutschen Lyrik. Bei ihr werden die Anfangskonsonanten zweier Wörter so vertauscht, dass in der zweiten Verszeile am Ende ein überraschender Reimeffekt entsteht.

Klassisches Beispiel für einen Schüttelreim sind die Zeilen:

„Das größte aller Meisterstücke/der Schöpfung ist der Steiß der Mücke.“

Unverändert aktuell, gerade jetzt, wo in den Festtagen und danach wieder viele Mitbürger vom Nordkap bis nach Australien reisend unterwegs sind, ist der Reim:

„Was sagst Du zu der Reisewut?“/„Es rast der Narr. – Der Weise ruht.“

Von Plassmann stammt auch die für einen Bankvorstand doch bemerkenswerte Erkenntnis:

„Dass in der Welt des Geldes Du zu gelten weißt,/wie weit entfernt ist das vom Weltengeist.“

Clemens Plassmann hat reimend auch ein heute verbreitetes Straßenschild gegen zu schnelles Fahren in Vorschlag gebracht:

„Auf dieses Schild die Nase richt,/verehrter Fahrer: Rase nicht!“

Zum Advent und zu Weihnachten hat er uns ein sehr schönes geschütteltes Weihnachtsgedicht hinterlassen:

„Winter ward es wieder. Leise/tönt der Weihnachtslieder Weise./Hörst Du klingen leise wieder/uralt fromme weise Lieder,/lass Dich von den Dichtern lenken,/die bei Glanz und Lichtern denken/jener Nacht, die Wonne sandte,/uns zur ew´gen Sonne wandte.

Heil´ge Nacht! Der Sterne Fülle/überglänzt die ferne Stille/eines Stalls, da, kaum geboren,/Christ den Kreuzesbaum gekoren,/um in seinem Erdenwallen/Heiland zu werden allen./Horch, vom hohen Himmel wallt es,/durch der Welt Gewimmel hallt es:/Christ ist uns geboren heut!“

Gute Zeiten waren das für unser Land nach dem Krieg, als ein großer Bankchef sich neben seinem Geldberuf, geprägt von katholischer Frömmigkeit, mit sprachlichen Spielereien befassen konnte.

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