Mit den Durchfahrtsverboten folgen die Kreise Garmisch-Partenkirchen und Miesbach einem Modell, das in Österreich und im Südosten Bayerns zunehmend praktiziert wird: Wer im Stau steht, soll im Stau bleiben. Bei Missachtung droht Ärger. Das Ziel ist kaum zu diskutieren: Die Orte entlang der Autobahn sollen vor den Blechlawinen geschützt werden. Wenn der Fernverkehr nicht mehr vorankommt, heißt das ja nicht, dass auch der Nahverkehr kollabieren muss. Zudem gilt es, den Einsatz von Rettungskräften nicht durch zusätzliche Behinderungen zu erschweren. Richtig so.
Dass sich Autofahrer mit dem Verbot schwertun, ist klar. Menschen in Ausnahmesituationen lassen sich ungern maßregeln – gerade im Stau: Nach vorne geht fast nichts, nach hinten gar nichts, die Zeit drängt, die Kinder quengeln, und die Blase drückt. Da lockt der Fluchtversuch über die Seite. Besser irgendwie auf immer kleineren Straßen fahren, als in Ungewissheit zu verharren – mit dem Navi als Fluchthelfer, das die Tour de Schleichweg erst ermöglicht.
Letztlich ist es eine Frage von Vernunft und Gemeinsinn, ob man diese Regel befolgt. Zumal das Runterfahren meist nur wenig mehr bringt als weiteren Stress: große Umwege, zähflüssiger Verkehr, schon wieder falsch abgebogen. Am Ende ist man froh, wieder auf der Autobahn zu sein, und das meist mit nur übersichtlichem Zeitgewinn. Der Stress überwiegt – für Abfahrer wie für Anwohner.