US-Demokraten in der Epstein-Falle

von Redaktion

Im Fokus: Ex-Präsident Bill Clinton. © Kudacki/dpa

Washington – Dass man Donald Trump als Politiker nicht unterschätzen sollte, müssten die US-Demokraten mittlerweile gelernt haben. Doch das Gegenteil scheint der Fall, wie sich gut am Verhalten des kalifornischen Abgeordneten Ro Khanna ablesen lässt. Er hatte im Juli den „Epstein Files Transparency Act“ vor dem Kongress eingebracht, um eine Veröffentlichung der Ermittlungsakten über den Milliardär und Sexualverbrecher Jeffrey Epstein zu erzwingen. Vorausgegangen waren lange Versuche von Trump, eine Freigabe zu verhindern – was die Opposition zu dem Schluss führte: Der Präsident hat etwas zu verbergen.

Doch die Demokraten ahnten offenbar nicht, was Trump dank der Hilfe seiner Justiz über die zahlreichen Ermittlungsakten längst bekannt geworden war: dass ausgerechnet Ex-Präsident Bill Clinton nun in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken würde. Seit am Freitag Tausende von Dokumenten zur Einsicht freigegeben wurden, stehen in Sozialen Medien Aufnahmen von Clinton im Mittelpunkt.

Es sind Fotos wie diese: Der frühere Präsident entspannt sich in einem Jacuzzi, nur der an den Beckenrand gelegte Kopf ist gut sichtbar. Im Wasser ist zudem eine Frau zu erkennen, deren Gesicht geschwärzt wurde. „Zum Opferschutz“, wie ein US-Justizsprecher erklärte. Und diese Worte wiederum sollen wohl zwangsläufig zu der Annahme führen, dass Clinton zumindest im Umgang mit dieser Frau sexuelle Vorteile erfahren hat. Eine unbewiesene Unterstellung, die aber auch deshalb Wirkung zeigt, weil Clintons politische Karriere von Skandalen wie der Lewinsky-Affäre begleitet worden war.

Auch andere Fotos aus dem Dokumentenberg, in dem die Justiz mindestens 500 Seiten vollständig schwärzen ließ, würde Clinton aus heutiger Sicht wohl gerne verschwinden lassen. Ein Pool-Foto mit der früheren Epstein-Helferin Ghislaine Maxwell, die dem Finanzier einen Großteil der jungen Frauen organisiert hatte und die heute, auf eine Trump-Begnadigung hoffend, im Gefängnis sitzt. Auf so gut wie allen Aufnahmen ist der heute 79-Jährige in weiblicher Gesellschaft, auf einem Foto sitzt eine junge Frau sogar in einem Privatjet auf seiner Sitzlehne. Aufzeichnungen aus dem Epstein-Nachlass zeigen, dass Clinton bis zu 26-mal das als „Lolita-Express“ berüchtigte Flugzeug nutzte.

Noch hat die angeblich unter Zeitdruck stehende Trump-Justiz nicht alle Dokumente aus den Akten dem Kongress-Gesetz entsprechend veröffentlicht. Auch das schürt Spekulationen: Lässt der amtierende Präsident für ihn brisante Papiere zurückhalten? Über das Wochenende verschwand zunächst ein Dutzend zuvor veröffentlichte Dokumente vom Justiz-Server ohne Erklärung.FRIEDEMANN DIEDERICHS

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