Washington – Seine Anhänger nennen es nett „Übertreibungen“, seine politischen Gegner schlichtweg Lügen. Fakt ist, Donald Trump nimmt es oft mit den Fakten nicht so genau, wenn er seine Argumente mit Zahlen untermauern will. Das Interessante: Eine Zahl nimmt der Präsident besonders häufig in den Mund, wenn er mit hoher Wahrscheinlichkeit sich etwas ausgedacht hat: die 92.
Seine Fixierung auf die 92 kam das erste Mal bei einer Wahlkampfveranstaltung im vergangenen November zutage. Während er gegen Journalisten wetterte, posaunte er, dass nicht alle von ihnen „kranke Menschen“ seien – sondern nur „ungefähr 92 Prozent“. Eine Aussage, die vollkommen aus der Luft gegriffen war. Ebenso wie seine Behauptung, die Medien hätten vor seiner ersten Amtszeit das Vertrauen von 92 Prozent der Bevölkerung genossen – es waren 40 Prozent.
Auch als Rechtfertigung für die wiederholten Angriffe auf angebliche Drogen-Boote nutzte der US-Oberbefehlshaber des Heeres erneut seine Lieblingszahl. „Die Drogen, die über das Meer hereinkommen, sind um 92 Prozent zurückgegangen“, sagte Trump am 8. Dezember gegenüber „Politico“. Für Adam Isacson, Experte für Drogenhandel in Lateinamerika bei der NGO WOLA, ergibt das bei gerade Mal 28 kleinen versenkten Booten „keinen Sinn“.
Dass Trumps seine 92 Prozent allein durch seine Vorstellungskraft aus dem Hut zu zaubern scheint, wird von der Regierung nicht direkt dementiert. Stattdessen lobte Susie Wiles, die Stabschefin des Weißen Hauses, ihren Boss gegenüber „Vanity Fair“ als ein „statistisches Genie“. CHRISTIAN THIELE