Dreierbündnis gegen die Türkei

von Redaktion

Unter Präsident Erdogan rüstet die Türkei massiv auf. Das sorgt in der Region für Unruhe. © Ozer/dpa

Athen – Griechenland, Zypern sowie Israel wollen ihre militärische Zusammenarbeit signifikant verstärken. Die drei Länder erwägen die Schaffung einer gemeinsamen schnellen Eingreiftruppe im östlichen Mittelmeerraum. Übereinstimmenden Medienberichten aus den drei Ländern zufolge könnten die im Aufbau befindlichen gemeinsamen Streitkräfte eine Brigade mit einer Stärke von etwa 2500 Soldaten umfassen. Sie soll aus 1000 Griechen, 1000 Israelis sowie 500 Zyprioten bestehen und von Luft- und Seestreitkräften der drei Länder unterstützt werden.

Dabei sollen Schiffe und Flugzeuge an strategisch wichtigen Knotenpunkten wie den Inseln Rhodos oder Karpathos sowie auf Zypern und in Israel stationiert werden. Maßgebliche Aufgabe der Brigade und der sie unterstützenden Schiffe und Flugzeuge solle der Schutz der gemeinsamen Energie- und Unterwasserinfrastruktur im östlichen Mittelmeer sein.

Die drei Länder eint die Sorge vor der Türkei. Athen sieht in Ankara eine Gefahr, obgleich Griechenland und die Türkei im Februar 1952 gemeinsam der Nato beitraten. Dabei gehe es Ankara nicht nur um die in der Ostägäis vermuteten Gas- und Ölvorkommen, so die Sichtweise der Griechen. Der Türkei gehe es um mehr. Stichwort: „Blaues Vaterland“ („Mavi Vatan“), die Doktrin für die Meerespolitik der Türkei. Das Dogma Ankaras: „Das östliche Mittelmeer gehört in großen Teilen uns.“

Für die Republik Zypern, seit 2004 in der EU, aber kein NATO-Mitglied, stellt die Türkei nach der völkerrechtswidrigen Invasion der Insel durch reguläre türkische Truppen in den Inselnorden im Sommer 1974, der zur faktischen Teilung der Insel führte, ebenso eine Dauerbedrohung dar. Rund 160 000 Zyperngriechen wurden aus dem Inselnorden in den Inselsüden vertrieben, Tausende Zyperntürken verließen den Inselsüden in Richtung Norden. Die Zyperngriechen kontrollieren den Inselsüden, die Zyperntürken den Inselnorden.

Nur die Türkei erkennt die 1983 ausgerufene „Türkische Republik Nordzypern“ an. Die Türkei will eine Zwei-Staaten-Lösung, das lehnt die Republik Zypern jedoch vehement ab. Die letzten Gespräche in der Zypernfrage scheiterten 2017. Der Inselnorden zählt 350 000 Bewohner, die Türkisch sprechen und fast alle Muslime sind. Der Süden hat 900 000 Bewohner, die Griechisch sprechen und fast alle orthodox sind. Nikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. Schließlich stehen sich Israel und die Türkei in der Region ebenfalls strategisch diametral gegenüber. Stichwort: Gaza.

Die Strategie von Griechenland, Zypern und Israel hätten den Segen der USA, wie hierzulande betont wird. Am Montagnachmittag war in Jerusalem ein Dreiertreffen auf höchster politischer Ebene zwischen dem griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis, Zyperns Präsidenten Nikos Christodoulidis sowie Israels Premier Benjamin Netanyahu geplant. Ganz oben auf der Agenda der Staatschefs stand, die strategische trilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung und Rüstung zu vertiefen.

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