Schwieriges Gespräch: Wolodymyr Selenskyj (l.), Präsident der Ukraine, hört US-Präsident Donald Trump im Mar-a-Lago Club zu. © Alex Brandon/dpa
Palm Beach/Moskau – Die Ukraine soll nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow versucht haben, eine Residenz des Präsidenten in der Provinz anzugreifen. „In der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 2025 verübte das Kiewer Regime einen Terroranschlag unter Einsatz von 91 Drohnen großer Reichweite auf die staatliche Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation in der Region Nowgorod“, sagte Lawrow. Die russische Flugabwehr habe alle Drohnen zerstört. Es gebe weder Schäden noch Verletzte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte prompt auf die Vorwürfe und wies Lawrows Anschuldigungen als weitere russische Lüge zurück. Er erklärte, dass dies als Vorwand benutzt werde, um russische Schläge auf Regierungsgebäude in Kiew vorzubereiten. Schon in der Vergangenheit sei das Gebäude des Ministerkabinetts angegriffen worden. Russlands Behauptungen sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.
Lawrow kündigte eine Reaktion auf die „unüberlegten“ Handlungen an, die Ziele für die Vergeltungsschläge in der Ukraine seien bereits festgelegt. Der Minister warf der ukrainischen Führung vor, zu Staatsterror übergegangen zu sein. Mitten in den Verhandlungen zu einer Beendigung des Krieges werde Russland seine Position überdenken müssen. Die Ukraine habe mit dem Angriff versucht, den Verhandlungsprozess zu torpedieren, hieß es im Außenministerium.
Der mutmaßliche Anschlagsversuch war auch Thema eines weiteren Telefonats von Putin mit US-Präsident Donald Trump. Die Staatschefs hatten bereits am Sonntag telefoniert – vor den Verhandlungen Trumps mit Selenskyj. Der Kremlchef habe Trump nun über die Vorfälle informiert, hieß es aus Moskau. Der US-Präsident sei „schockiert“ gewesen, so Putins außenpolitischer Berater, Juri Uschakow. Nach Darstellung Uschakows informierte Trump Putin dabei auch über die Gespräche mit Selenskyj am Sonntag; die US-Seite habe Selenskyj darauf hingewiesen, dass „Kiew konkrete Schritte zur endgültigen Beilegung des Konflikts unternehmen müsse, anstatt sich hinter Forderungen nach einem vorübergehenden Waffenstillstand zu verstecken“.
Auch Trump meldete sich zu Wort. Angesichts der derzeit laufenden Gespräche über eine Beendigung des Kriegs in der Ukraine sei es „nicht der richtige Zeitpunkt“ für einen solchen Angriff, sagte er. Putin selbst habe ihn in einem Telefonat darüber informiert, „dass er angegriffen wurde. Das ist nicht gut“, betonte der US-Präsident und fügte hinzu, er sei „sehr wütend darüber“.
Am Sonntag war Selenskyj zu Gesprächen in den USA zu Gast gewesen. Es gab dabei einen Moment des Treffens, bei dem der ukrainische Präsident mühsam die Selbstbeherrschung behielt. Gastgeber Donald Trump erzählte da von seinen Gesprächen mit dem russischen Aggressor Putin und verstieg sich zu einem wunderlichen Satz: „Russland wünscht sich den Erfolg der Ukraine. Es klingt ein bisschen merkwürdig.“ Selenskyjs Reaktion: Er neigte leicht den Kopf, zog die Augenbraue hoch und lächelte erstaunt. Kein Eklat – nur Staunen.
Ansonsten lief das bilaterale Treffen in der Nacht auf Montag in Florida ergebnisarm. Trump wie Selenskyj äußerten sich zwar optimistisch mit Blick auf Frieden oder Waffenruhe in der Ukraine. 95 Prozent der Fragen seien abgearbeitet, sagte Trump. Selenskyj sprach von 90 Prozent. Doch offen ist, wie eine mögliche Friedenslösung im Detail aussehen könnte.
20 Punkte umfasst der aktuelle Plan dem Vernehmen nach. Selenskyj betonte insbesondere, dass die US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine vollständig vereinbart worden seien. Es seien „starke“ Garantien für einen Zeitraum von 15 Jahren mit Möglichkeit zur Verlängerung angeboten worden. „Ich wollte wirklich, dass diese Garantien länger sind“, ergänzte er am Montag.DPA/AFP/CD