Kurz vor dem Jahreswechsel beginnt noch mal das große Rechnen. Politiker von Union und SPD sehen nämlich gesundheitspolitische Einsparpotenziale in Milliardenhöhe. Und an Ideen für tiefgreifende Reformen mangelt es in der schwarz-roten Koalition offensichtlich nicht.
So ist der Vorschlag wirtschaftlich vollkommen richtig, dass nicht jeder Erkrankte gleich die Notaufnahme oder den Fachmediziner aufsucht. Deswegen muss die Bekanntheit und Akzeptanz für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 gesteigert werden. Auch durch das geplante Primärarztsystem – bei dem der Hausarzt als erste Anlaufstelle gilt – können unnötige und kostenintensive Untersuchungen vermieden werden. Dafür brauchen Patienten aber voraussichtlich mehr Geduld. Der Vorstoß, eine kleine Praxisgebühr zu erheben, kann zusätzlich ein Bewusstsein schaffen, dass eben jeder Arztbesuch mit Kosten für die Allgemeinheit verbunden ist.
All das in Gesetze zu gießen und dabei Kassen, Ärzte, Kliniken und Patienten mitzunehmen, ist eine politische Mammutaufgabe. Für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung muss allen klar sein: Die Zeiten, in denen Leistungen bedingungslos ausgeweitet werden, sind vorbei.