Merz‘ Selbstkritik: Es reicht nicht

von Redaktion

Blick hinter die Kulissen: Friedrich Merz im Studio für seine TV-Ansprache. © Clemens Bilan / Pool/EPA

Berlin – Der Bundeskanzler wirkt erleichtert, als er auch diese Premiere hinter sich hat. „Schöne Feiertage“, ruft er im Studio in die Runde. „Danke. Ciao.“ Dreht sich um und geht. Friedrich Merz hat die Aufzeichnung seiner ersten Neujahrsansprache problemlos absolviert. Im Kanzleramt, vor einer Deutschland- und einer Europafahne schön postiert, liest er pannen- und stotterfrei einen hoffentlich mutmachenden Text vom Teleprompter ab.

Was kaum einer weiß: Die Rede ist schon seit fast zwei Wochen im Kasten, gedreht wurde am 19. Dezember. Aktuell ist Merz‘ Botschaft dennoch geblieben. Der Kanzler ruft zu Zuversicht im neuen Jahr auf. 2026 könne „ein Moment des Aufbruchs werden“, sagt er. „Dafür müssen wir uns selbst vertrauen, unserem Mut und unserer Tatkraft“, mahnt Merz: „Hören wir nicht auf die Angstmacher und auf die Schwarzmaler.“ Und: Man solle sich „nicht von Angst und Verzagtheit leiten“ lassen, „sondern von Zuversicht und dem Glauben an unsere eigene Kraft“.

Die Menschen im eigenen Land bittet er um Reformbereitschaft. „Unsere Gesellschaft wird älter, die geburtenstarken Jahrgänge werden jetzt in die verdiente Rente gehen.“ Die Regierung werde in dieser Lage „im nächsten Jahr grundlegende Reformen beschließen müssen, damit unsere Sozialsysteme auf Dauer finanzierbar bleiben“. Merz geht direkt auf die Kritik ein, seine Regierung leiste zu wenig an Reformen. „Nun werden nicht wenige sagen: Das reicht nicht; das ist zu wenig; und spüren tut man es auch noch nicht hinreichend. Und ich will Ihnen sagen: Sie haben recht! Das reicht nicht.“ 2026 solle daher „ein Jahr des Aufbruchs werden“. Dann werde Deutschland „den Ertrag der Reformen ernten, auch wenn das eine gewisse Zeit benötigt“.

Traditionell hält der Bundespräsident die Weihnachtsansprache, der Regierungschef dann jene, die an Silvester im Fernsehen ausgestrahlt wird. Zu Angela Merkels Zeiten, die 16 Neujahrsansprachen hielt, wurde das mit sinkender Aufmerksamkeit verfolgt – bei Merz‘ ersten Auftritt ist die Neugier wieder größer.

In Bayern ist die Aufteilung ähnlich. Hier redet Landtagspräsidentin Ilse Aigner an Weihnachten, Ministerpräsident Markus Söder zu Silvester. Er zeichnete seine Ansprache viel aktueller auf, gestern Nachmittag in den Freimanner Studios des BR. Auch Söders Grundthese: Habt Mut, seid optimistisch. „Wir haben es im Kreuz, etwas zu verändern. Jetzt heißt es anpacken.“ Er lobte vor allem Bayerns Politik, darunter den ausgeglichenen Haushalt und die innere Sicherheit. „Die Welt ist eine andere geworden – deshalb müssen wir uns absichern.“ Gerade in herausfordernden Zeiten bleibe der Freistaat „eine Festung für Freiheit und Demokratie“. Hier solle „jeder sein Glück machen können“.

Artikel 9 von 11