Die Wut kommt aus dem Geldbeutel

von Redaktion

Proteste in Teheran

Binnen eines Jahres hat sich der Wert des iranischen Rial gegenüber dem US-Dollar fast halbiert. Am vergangenen Sonntag kam es dann erneut zu derart rasanten Kursstürzen, dass auf dem Basar von Teheran Geschäfte schließen mussten und Händler sich zu spontanen Protesten versammelten. Dieser anfängliche Basar-Aufstand hat sich inzwischen zu einem Protest ausgeweitet, der dem Mullah-Regime gefährlicher wird als die vor allem politisch motivierte „Frauen-Leben-Freiheit“-Revolte, die vor rund drei Jahren begann. Denn jetzt gehen auch Menschen auf die Straße, die die reaktionären islamistischen Werte der Regierung durchaus teilen. Deshalb ging die Staatsführung anfangs auch zurückhaltend gegen die Demonstranten vor, ließ die Medien sogar offen über deren Anliegen berichten.

Doch inzwischen weitet sich der Protest aus – Studenten erklärten ihre Solidarität, Parolen wie „Tod dem Diktator“ gegen Ajatollah Ali Chamenei sind zu hören. Die Sicherheitsbehörden gehen jetzt brutal gegen die Demonstranten vor, die Gewalt auf den Straßen eskaliert. Den Mächtigen in Teheran dürfte bewusst sein, dass auch die Revolution der Syrer als Brotpreis-Protest gegen Assad begann. Die Mullahs finden bislang kein Rezept gegen die Wirtschaftsmisere, die zudem vom Wassermangel in Teheran und anderen Alltagsproblemen verschärft wird. Die ökonomische Lage ist auch Folge der westlichen Sanktionen und lässt sich deshalb nicht vom außenpolitischen Hardliner-Kurs trennen.

Das Streben nach der Atombombe, die Unterstützung der Hisbollah oder der Huthi, die Vernichtungsdrohungen gegen Israel: Diese aggressive Politik aufzugeben, wäre ein Schlüssel, den wirtschaftlichen Niedergang zu stoppen. Doch derzeit sieht es so aus, als ob die Mullahs lieber weiter auf Gewalt als auf Diplomatie setzen.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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