Teheran – Den fünften Tag in Folge sind Menschenmassen im Iran angesichts der schweren Wirtschaftskrise gegen die autoritäre Staatsführung auf die Straße gegangen. Besonders auf dem Land ging das Regime mit Härte gegen Demonstranten vor. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben.
Seit Mittwochabend kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Menschenrechtsgruppe Hengaw berichtete von zwei getöteten Demonstranten in Lordegan und einem in der Provinz Isfahan. Bei einem Angriff auf eine Polizeiwache in der Provinz Lorestan seien drei Menschen getötet und 17 verletzt worden. Außerdem hätten Sicherheitskräfte einen 21-Jährigen in Lorestan erschossen. Der staatliche Rundfunk behauptete, der junge Mann sei Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Einheitengewesen. Laut Aktivisten kam es in zahlreichen Provinzen zu schweren Ausschreitungen. Wie viele Menschen sich in dem Land mit gut 90 Millionen Einwohnern an den Protesten beteiligen, ist unklar.
Ausgelöst wurden die aktuellen Kundgebungen durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am Sonntag. Spontan gingen vor allem Händler in Teheran auf die Straße. Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studentenverbände, die bereits frühere Protestwellen mitgetragen hatten, riefen zu Demonstrationen auf. Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren, befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise und politische Repression.
Präsident Peseschkian warnte am Donnerstag vor politischer Spaltung, räumte aber zugleich Fehler seiner Regierung ein. Mit ungewöhnlicher Offenheit erklärte der moderat-konservative Politiker, der Staat und die Banken trügen die Schuld an der hohen Inflation. »KOMMENTAR