Selenskyj hofft auf Frieden, Putin will den Sieg

von Redaktion

CIA informiert US-Präsident: Ukraine hat die Residenz des russischen Präsidenten nicht angegriffen

In seiner Neujahrsrede beschwört Putin nicht den Frieden, sondern den Sieg. © EPA

Kiew/Moskau/Washington – Ehrliche Bewertung oder bloßer Zweckoptimismus? Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Landsleuten zu Jahresbeginn Hoffnung auf ein Ende des Krieges gemacht. Ein Friedensabkommen sei „zu 90 Prozent fertig“, sagte Selenskyj in seiner Neujahrsansprache. Die übrigen zehn Prozent entschieden „über das Schicksal der Ukraine“. Sein Land wolle ein Ende des Krieges, sagte er, aber nicht „um jeden Preis“. Ein Abkommen müsse starke Sicherheitsgarantien beinhalten.

In den nächsten Tagen sollen die Gespräche mit Amerikanern, Europäern und Vertretern der Nato weitergehen. In den Verhandlungen ist seit einiger Zeit neue Dynamik zu erkennen – nach einem Treffen Selenskyjs mit US-Präsident Donald Trump in Florida am Sonntag sprach der Gastgeber von „großen Fortschritten“.

In dieser optimistischen Situation widerspricht der US-Geheimdienst CIA russischen Behauptungen, die Ukraine habe inmitten der laufenden Verhandlungen eine Residenz von Kreml-Chef Wladimir Putin angegriffen. CIA-Direktor John Ratcliff unterrichtete Trump selbst über die Zweifel an der russischen Darstellung. Man sei überzeugt, dass es weder einen Angriff auf die Residenz noch auf Putin selbst gegeben habe. Zuvor hatte der Kreml schwere Anschuldigungen gegen Kiew erhoben und angebliche Beweise für einen Angriff vorgelegt – darunter Reste einer ukrainischen Drohne.

Der US-Präsident hatte den Vorwurf nach einem Gespräch mit Putin zunächst selbst wiederholt und Kiew für den vermeintlichen Angriff kritisiert. Zur klaren Einordnung der CIA äußerte er sich bislang nicht. Allerdings teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social einen dezidiert russlandkritischen Text aus der „New York Post“. Das Boulevardblatt befasst sich in dem Kommentar mit „Putins Angriffs-Getöse“ und bezeichnet den Kremlchef als die eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden.

Der wiederum schlug in seiner Neujahrsansprache andere Töne an als Selenskyj. Über die Friedensbemühungen der USA verlor Putin kein Wort, dafür pries er die russischen Soldaten an der Front. „Wir glauben an Sie und an unseren Sieg.“

Wie um das zu untermauern, griffen die Kreml-Truppen zum Jahreswechsel mit mehr als 200 Drohnen vor allem die Energieinfrastruktur der Ukraine an. Moskau meldete unterdessen einen Angriff der ukrainischen Armee im russisch kontrollierten Teil der südukrainischen Region Cherson. Angeblich habe es dabei mehr als 24 Tote gegeben.MMÄ/AFP/DPA

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