Auftritt des Ehepaars Trump: Donald und Melania an Silvester in Mar-a-Lago. © Raedle/AFP
Washington – Als Donald Trump am 20. Januar des vergangenen Jahres sein Amt antrat, erbte er von Vorgänger Joe Biden einen ganzen Berg Probleme. Hohe Verbraucherpreise, ein schwaches Wachstum und internationale Krisenherde wie Gaza, für das der Demokrat außer Abmahnungen an Israel kein Konzept hatte. Seitdem hat Trump aus US-Sicht einiges vorzuweisen: Bürokratie wurde abgebaut, die heimische Energieproduktion wieder angeschoben und mit Strafzöllen Kompromisse beim Handelsungleichgewicht mit zahlreichen Partnern erreicht. Dazu kamen noch Steuererleichterungen durch erhöhte pauschale Abschreibungen vor allem für Amerikas Mittelklasse. Die Resultate können sich sehen lassen: Das Bruttosozialprodukt wuchs um 4,3 Prozent im 3. Quartal, die Benzinpreise sanken deutlich, an der Wall Street verzeichneten die Börsianer zudem Rekordwerte.
Trotzdem droht 2026 für Trump zum Schicksalsjahr zu werden. Die Umfragewerte sehen ihn deutlich unter den Zustimmungswerten bei Amtsantritt. Das ist nicht ungewöhnlich: Regierungsparteien, die den Präsidenten stellen, verlieren fast immer bei Kongress-Zwischenwahlen. Dennoch ist die Ursache in diesem Jahr speziell: Die Massenabschiebungen von illegal im Land lebenden Migranten waren eines der wichtigsten Wahlversprechen des Republikaners, und er lässt sie konsequent umsetzen. Trotzdem stößt er damit inzwischen auf erbitterten Widerstand. Die Demokraten haben den Kampf gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) mittlerweile zur wichtigsten politischen Position erhoben. Das verfängt vor allem bei Latinos, die 2024 noch wichtige Unterstützer Trumps waren. Doch laut einer Umfrage des renommierten Pew-Instituts lehnen inzwischen 73 Prozent der Latinas und 67 Prozent der Latino-Männer die Amtsführung des Präsidenten ab.
Dass Trump bei den Deportationen – rechtlich hoch umstritten – auch die Nationalgarde einsetzte, befeuert Vorwürfe, der Präsident habe sich selbst in den Rang eines Königs versetzt, der sich über das Gesetz hinwegsetze. Prominente Kritiker wie der Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel sprechen sogar von „Tyrannei“.
Trump versucht derweil, mit harter Hand die Erwartungen der eigenen Basis zu erfüllen – auch außenpolitisch. Er ließ iranische Atomanlagen nach Jahren des Biden-Appeasements bombardieren, befahl Luftschläge auf Schnellboote von mutmaßlichen Drogen-Schmugglern und attackierte die islamistische Terrororganisation IS in Nigeria zum Schutz der dort lebenden Christen.
Den Republikanern gefällt auch der diplomatische Konfrontationskurs gegenüber Verbündeten in der EU. Formulieren darf die Kritik in erster Linie Vize J.D. Vance. Der vertrat zuletzt die These: Durch die unkontrollierte Masseneinwanderung von vielen Muslimen drohten Länder wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich ihre nationale Identität zu verlieren. Auf dem Spiel stehe sogar die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch importierte Ideologien. Ein besonderer Dorn im Auge sind Trump und Vance dabei angebliche Beschränkungen der Meinungsfreiheit in Großbritannien und Deutschland – und die Ausgrenzung der AfD.
Doch reicht das für einen Wahlerfolg? Derzeit haben Trumps Republikaner in Repräsentantenhaus und Senat eine Mehrheit. Gewählt wird im Herbst. Die Demokraten sehen gute Chancen, das Repräsentantenhaus zurückgewinnen zu können. Dann könnte Trump nicht mehr so leicht durchregieren.