Die Zahl der Abschiebungen nimmt deutlich zu. © dpa
Berlin – Zu Beginn des neuen Jahres hat die Bundesregierung ihre Abschiebungen von Deutschland nach Afghanistan forciert. Eine Sprecherin bestätigte in Berlin die Rückführung eines in Bayern wegen schwerer Körperverletzung und Drogendelikten mehrfach verurteilten Mannes. „Bundespolizisten übergaben den Mann und konsularische Papiere auf dem Flughafen an Taliban-Offizielle“, hatte die „Bild“ berichtet. Angewendet worden sei ein neu etablierter Mechanismus der Einzelabschiebung. Wie die Sprecherin weiter mitteilte, wurde am Freitag zudem ein weiterer afghanischer Straftäter per Linienflug nach Afghanistan gebracht.
„Dies war bereits der dritte Straftäter, der innerhalb kürzester Zeit mit dem neu etablierten Mechanismus abgeschoben werden konnte“, so die Sprecherin. 2025 wurden 83 Straftäter nach Afghanistan zurückgeführt. „Es ist geplant, dass Rückführungen nach Afghanistan und Syrien regulär und regelmäßig mit Linienflügen stattfinden sollen.“
Kurz vor Weihnachten hatte die Bundespolizei schon einmal einen mehrfach verurteilten Straftäter aus Bayern nach Kabul gebracht und dort den Behörden übergeben. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte damals: „Wir machen mit den regelmäßigen Abschiebungen nach Afghanistan ernst.“ Die frühere Bundesregierung von SPD, FDP und Grünen hatte solche Abschiebungen wegen der Machtübernahme der Taliban zunächst ausgesetzt. Erst unter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wurden sie wieder aufgenommen. Das Ministerium hatte sich darüber mit „Vertretern der afghanischen De-facto-Regierung“ verständigt.
Insgesamt haben die Behörden die Zahl der Abschiebungen laut Innenministerium im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Bis einschließlich November wurden 21311 Personen zurückgeführt. „Wir gehen für das Jahr 2025 von einer Steigerung von Abschiebungen gegenüber dem Vorjahr von 20 Prozent aus“, so die Sprecherin.