Wladimir Putin schwieg – vielleicht, weil der Schock so tief saß? Nicht nur musste er (nach Assad vor einem Jahr) einmal mehr tatenlos der Entmachtung eines Verbündeten zusehen. Mit der Verhaftung Nicolás Maduros schafften die Amerikaner binnen weniger Stunden außerdem das, was dem Kreml-Chef im Februar 2022 in Kiew vorschwebte. Putin wollte dort ein Marionetten-Regime installieren, womit er gottlob bis heute scheitert – Trump erwartet von Maduros Nachfolgerin nicht weniger als absolute Willfährigkeit.
Man mag darauf verweisen, dass die USA nie sehr zimperlich waren, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen in anderen Staaten ging – gerade in Lateinamerika. Aber in der Blitzaktion am Wochenende zeigte sich etwas Neues. Das Weiße Haus schwenkt zurück ins Zeitalter der Machtraum-Politik und beansprucht wie selbstverständlich die Vorherrschaft über die „westliche Hemisphäre“, wie es in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie heißt. Im Gegensatz zu internationalem Recht ist die Grundregel bestürzend einfach: Auf besagtem Gebiet hat zu passieren, was Washington will.
Womöglich hat Putins Zurückhaltung (pflichtschuldige Proteste aus dem Außenministerium ausgenommen) deshalb ganz andere Gründe. Dem US-Ansatz kann er (wie übrigens auch Chinas Xi Jinping) einiges abgewinnen, denn auch im Kreml träumt man von Großraum-Dominanz – über Eurasien. Die USA haben ihren Anspruch, auch dort mitzureden, zwar nicht aufgegeben. Aber der Wandel vom Ukraine-Unterstützer zum ungebundenen Konflikt-Vermittler deutet dorthin.
Caracas ist kein Einzelfall, sondern Symptom einer neuen Weltpolitik, in der die frühere Ordnungsmacht mit dem Revolver unterwegs ist und ihre Absichten (zu denen Zugriff auf Venezuelas Öl gehört) gar nicht erst verbirgt. Europa macht leider noch immer nicht den Eindruck, als könne es mit der neuen Realität umgehen. MARCUS.MAECKLER@OVB.NET